Kid Simius – 28.04.16 – Köln, Yuca

Für einen DJ, der hauptsächlich in Deutschland unterwegs ist, hat Kid Simius sich mittlerweile eine relativ große Fanbase aufgebaut. Das mag unter anderem auch daran liegen, dass der gebürtige Spanier als guter Freund von Marten Laciny, besser bekannt als Marteria bzw. Marsimoto, diesen bei vielen Shows in den vergangenen Jahren unterstützt hat. Vor allem im letzten Festivalsommer gab es wohl sehr viele Marsimoto-Fans, die während der berühmten „letzten 20 Sekunden“ ihrem Shirt Adé gesagt haben.

Daher wunderte es auch eigentlich nicht, dass es schon vor der Show von Kid Simius im Kölner Yuca so roch, wie es in den meisten holländischen Coffeeshops der Fall ist. Das überwiegend noch junge oder „jung gebliebene“ Publikum sorgte schon zu Beginn der Show für eine ausgelassene Stimmung – auch wenn der eine oder andere vielleicht nicht mehr ganz so gerade stehen konnte.

Doch schon während des ersten Liedes wurde sehr schnell klar: Hier stehen keine Elektro-Fans. Es wurde zwar getanzt, doch das Verhalten innerhalb der vorderen Reihen zeigte, dass sich wohl auch einige erfahrene Festivalgänger unter das Publikum gemischt hatten. Um es auf den Punkt zu bringen: Kid Simius live bedeutet vollständige Eskalation. Das klingt zwar ungewöhnlich, ist aber alles andere als gelogen. Einen ungefähren Eindruck, wie der Spanier sich selbst auf der Bühne präsentiert, liefert das Video zum Song „Solid Ground“:

In den letzten Jahren hat sich die Musik des Wahlberliners kontinuierlich weiterentwickelt. Der Musiker hat sich als DJ einen gewissen Ruf erarbeitet, was letztendlich auch für Änderungen im eigenen Live-Set sorgte. Zwar fanden sich in der Setlist auch viele ältere Songs wieder, doch wurde die Show durch eine elektronische Komponente dominiert, die annähernd alle Songs beeinflusste. Ob das nun eine gute oder schlechte Entwicklung ist, sei mal außer Frage gestellt. Nach der Show steht für uns jedoch eindeutig fest: Die älteren Titel sind live einfach überzeugender.

Denn letztendlich profitiert die Stimmung während eines Konzertes eher vom Pogen als vom Tanzen – und dazu laden die älteren Songs förmlich ein.

Unterm Strich überzeugte Kid Simius uns live erneut. Der Musiker wird seinem Ruf als Multiinstrumentalisten auf der Bühne ebenso gerecht, wie auch im Studio. Wenn der Spanier zur Gitarre greift und das Solo von „The King of Rock’n’Roll“ anstimmt, ist für einen Moment die Welt nochmal in Ordnung.

Rezension Jirafa Waves EPhttps://ahoimag.de/2016/03/20/kid-simius-jirafa-waves/

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Bild: Georg Roske

Lars Junker

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Lars Junker

Gründer hier. Indie-Kram, gerne auch mal leise, manchmal laut. Vinyl und Kaffee.