Interview: Les Loups

Im Rahmen der EP-Veröffentlichung Arcanum haben wir die drei Hamburger Wölfe Philipp Landmann, Felix Littkemann und Antonio Seoane Dominguez für ein Interview gewinnen können.
Warum überhaupt eine EP? Und was hat die Ed-Banger-Crew um Busy P und Cassius damit zu tun?

Man hat einen anderen Bezug zur eigenen Musik, wenn man weiß, dass jede Harmonie oder Melodie „aus der eigenen Feder heraus“ entstanden ist und nicht über Samples.

Ihr zeigt mit eurem Namen „Les Loups“ (dt. Die Wölfe), dem Albumtitel Club Cœur und dem Genre French House einen großen Hang zu Frankreich. Woher kommt dieser Hang?

Du sagst es eigentlich schon selbst! Als wir angefangen haben Musik zu machen, waren wir vor allem im Genre French House unterwegs, also alles sehr „Daft Punk“ / „Crydamoure“ inspiriert. Das wollten wir natürlich auch über unseren Namen und den Titel unseres Albums verdeutlichen. Dieser ganze Sound war in Deutschland leider nie so sehr vertreten wie in Frankreich, am ehesten noch durch Producer wie „Ian Pooley“. Da haben wir uns schlichtweg an Frankreich orientiert. Es ist schon witzig, wir bekommen häufig Nachrichten oder Booking Anfragen auf Französisch, da müssen wir direkt erstmal klarstellen, dass wir gar nicht Franzosen sind (lautes Lachen). Obwohl unser Sound heutzutage nur noch wenig mit dem ursprünglichen French House zu tun hat, ziehen wir immer noch sehr viel Inspiration aus den alten französischen Platten.

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Vor einigen Wochen habt ihr in Hamburg mit Ed Banger Größen wie Busy P oder Cassius aufgelegt. Diese Leute haben Legendenstatus in der Szene. Kann man da von einem einschneidenden Erlebnis sprechen?

Absolut! Solche Persönlichkeiten kennen zu lernen ist immer ein interessantes Erlebnis. Vor allem „Pedro Winter“ (a.k.a. „Busy P“), der frühere Manager von „Daft Punk“, hat ja den French House und die ganze Szene extrem mitgeprägt. Pedro war auf jeden Fall ein super entspannter Kerl, aber auch der Rest der Ed Banger Crew war total sympathisch und absolut nicht abgehoben. Im Backstage haben wir dann noch eine kleine Jam Session mit „Cassius“ hingelegt, das war klasse! Wir hatten auf jeden Fall einen total spannenden Abend mit der Ed Banger Crew hier in Hamburg und sind froh, die Jungs einmal persönlich kennen gelernt zu haben. Natürlich hofft man dann auch immer bei solch großen Namen einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Weshalb lasst ihr die Vocals immer von ausserhalb kommen und warum immer von verschiedenen Sängern?

Also zum einen natürlich weil wir selbst nicht die größten Gesangstalente sind, wobei wir uns da um ehrlich zu sein noch nie so wirklich dran versucht haben (lautes Lachen). Was die Features angeht, hat es uns bisher immer total Spaß gemacht, neue, unbekannte Künstler in den Weiten des Internets zu finden und für eine Kollaboration ins Boot zu holen. Dadurch haben wir bisher tolle international verstreute Musiker kennengelernt, die die unterschiedlichsten Geschichten und Stimmen mitbringen, was so einer Les Loups Produktion letztendlich auch immer wieder eine neue Farbe gibt. Da wir auch versuchen, meistens noch unbekannte Sänger/innen für unsere Songs zu gewinnen, erhofft man sich natürlich auch, dass diese Sänger/innen davon profitieren, dass wir mittlerweile schon eine gewisse Reichweite und Hörerschaft haben!

Wo seht ihr Unterschiede zu früherem Schaffen wie beispielsweise das Album Club Cœur?

Wenn wir als Band so eine Art „Sturm & Drang“ Phase durchlebt haben, dann sicherlich die, in der wir „Club Cœur“ produziert haben. Unser damaliges musikalisches Schaffen war sehr geprägt davon, French House zu hören, Disco- und Funksamples zu diggen und Tag für Tag Housebeats zu bauen. Letzenendes ist so etwas wie ein Edit-Album entstanden, das unsere Liebe zu guter Disco- und Funk Mucke zeigen sollte! Gleichzeitig war aber auch immer die Vision da, 100% eigene Kompositionen zu schreiben und das Sampling mehr und mehr als kleinen Teil des Gesamtsounds einzubauen. Diese Entwicklung haben wir vor allem mit „Arcanum“ vorangetrieben, bei welcher wir eigentlich jedes Instrument selbst eingespielt haben und das Sampling nur noch über Micro-Samples oder Vocal-Snippets genutzt haben. Irgendwie hat man noch einmal einen anderen Bezug zur eigenen Musik, wenn man weiß, dass jede Harmonie oder Melodie „aus der eigene Feder heraus“ entstanden ist und nicht über Samples.

Die EP Arcanum kommt mir entschlackter vor und kratzt zeitgleich am Pop, ohne in ihn abzudriften. Ihr scheint die Mixtur aus eigenem Sound und den Zusatz von Pop-Elementen inne zu haben so wie mir das sonst zum Beispiel bei Hot Chip sehr auffällt.

Das zu hören, freut uns natürlich sehr! Unser Ziel ist es immer gewesen, einen eigenen Les Loups-Sound zu entwickeln, der im besten Fall dann auch schnell wiederzuerkennen ist. Gleichzeitig versuchen wir definitiv auch Pop-Elemente oder typische Pop-Strukturen in unsere Songs einzubauen, einfach weil das meist interessanter ist, als eher schlicht gehaltene Arrangements, wie z.B. im House Bereich (wobei das natürlich auch nicht zu verallgemeinern ist). Mit „Arcanum“ haben wir es hoffentlich geschafft, interessante und originelle Les Loups Produktionen mit poppigem Gesang und Song-Strukturen zu verknüpfen. Selbst in dem letzten Track „Coda (Part I & II)“, der quasi als „housiger“ Abschluss der EP gedacht ist, haben wir versucht, den Song durchweg spannend und progressiv zu halten. Wie es der Track-Name bereits sagt, besteht er eigentlich sogar aus zwei verschiedenen Songs, die wir vermischt haben.

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Am 20.05 erschien eure EP Arcanum. Warum haltet ihr am Konzeptalbum beziehungsweise an der EP als Format fest?

Eine Konzept-EP zu produzieren ist heutzutage tatsächlich schon etwas Besonderes. Jeden Tag erscheint eine Unmenge an neuer Musik über Soundcloud und so weiter. Da fragt man sich dann schon, ob sich die Hörer überhaupt Zeit nehmen, gleich vier Tracks der selben Band anzuhören, als sich einfach mal weiter durchzuklicken. Letztendlich versuchen wir uns da nicht zu viele Gedanken zu machen und produzieren die Musik ja irgendwo auch für uns selbst. So eine Konzept-EP macht aus unserer Sicht einfach Spaß und ist in gewisser Weise dann auch eine Herausforderung! Wie gut uns das gelungen ist, muss jeder für sich selbst beurteilen.

Ein großes Kompliment an euer Artwork. Wem habt ihr das zu verdanken und was steckt hinter der fliegenden Insel?

Unsere Artworks kommen mittlerweile seit Jahren von unserem Freund „Jack Crossing“ aus UK, der unter anderem schon für die Artworks der „Amy Winehouse“ Dokumentation „AMY“ oder den Film „LIFE“ über „James Dean“ zuständig war. Mit Jack zusammen arbeiten zu können ist einfach ein Privileg. Auf der einen Seite ist er unfassbar kreativ und ein wahrer Profi in seinem Metier, auf der anderen Seite aber auch immer offen für unseren Input. Da wir meistens sehr perfektionistisch an unsere Projekte heranrangehen, sind wir sehr froh darüber, Jack mit im Boot sitzen zu haben.

Die fliegende Insel „Arcanum“ soll so eine Art geheimen Ort darstellen, auf den man sich mit unserer EP verirren bzw. welchen man über die EP finden kann. Irgendwo zwischen Ruhe und Provokation des Betrachters, soll die Insel im Grunde auch einen gewissen Wandel der Umgebung darstellen, sei es die von die Natur wiedergewonnen Stadt oder der in Aufruhr versetzte Dschungel.

Wie geht es für euch in naher Zukunft weiter?

Eine richtige Tour ist derzeit noch nicht geplant, dazu ist die Kombination aus Studium/Job und Musik gerade auch noch ein wenig zu kompliziert. Es stehen aber auf jeden Fall schon ein paar spannenden Gigs an, wie z.B. ein sehr cooles Festival in der Schweiz im August! Also immer mal wieder auf unseren Social Media channels checken, wo wir denn das nächste Mal spielen.


Wer spätestens jetzt heiß auf Les Loups’ Arcanum EP ist, hat die Möglichkeit sich über ihre Bandcamp Seite eine von insgesamt 100 limitierten, hand-nummerierten CDs zu sichern.

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Niklas Johnen

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