Flume – Skin

Harley Streten hat es geschafft. Der als Flume bekannt gewordene Produzent und Musiker hat mit seinem 2012 veröffentlichten, selbstbetitelten Debütalbum einen Sprung nach vorne gemacht, wie man ihn nur selten sieht. Der in Australien beheimatete Künstler startete von 0 auf 100 durch und gilt schon lange nicht mehr als Geheimtipp, sondern bespielt mittlerweile weltweit Festivals der obersten Liga.

Nach der Ursache braucht man nicht lange zu suchen. Flume hat mit seinem Debütalbum vor 4 Jahren einen absoluten Volltreffer gelandet. Elektronische Tanzmusik, die zeitweise stark an Hip Hop erinnert, sich aber auch im Auto feiern lässt. Mit Features wie Chet Faker, T-Shirt und einigen weiteren Hochkarätern fanden sich die unterschiedlichsten Einflüsse wieder. Vereint unter elektronischen Beats fand sich so eine musikalische Vielfalt wieder, die dennoch einer stringenten Linie folgte. Dementsprechend waren die Erwartungshaltungen gegenüber Skin entsprechend hoch.

Das neue Werk beginnt mit dem Titel „Helix“, der zu Beginn direkt eine grobe Richtung des Albums definiert. Eingeleitet mit einem anwachsenden elektronischen Beat geht der Song im weiteren Verlauf in einen sphärischen, teils impulsiven Hip-Hop Beat über.
Mit „Never Be Like You“ folgt der Song, der wohl das größte Radiopotential aufweist und dementsprechend eigentlich am wenigsten zu Skin passt. Denn, das steht relativ schnell fest, Flume macht weder Pop noch Electro. Nahezu jeder Titel des Albums beinhaltet kombiniert verschiedenste Einflüsse, die mehr oder weniger stark voneinander entfernt sind.

Nun stellt sich die Frage, was seit dem gefeierten Debütalbum passiert ist, was sich geändert hat. Die grundsätzliche Ausrichtung ist musikalisch immer noch die gleiche, doch der Teufel steckt im Detail. Denn auf Skin wagt Flume etwas, das er vorher nicht getan hat: Er vertieft sich in die einzelnen Genres, die er mit seiner Musik verknüpft. Die einzelnen Songs driften untereinander wesentlich weiter auseinander als zuvor und gehen ebenso wesentlich tiefer in ihre charakteristischen Genres hinein. Wer beispielsweise die Titel „Never Be Like You“ und „You Know“ miteinander vergleicht, dem sollte der starke Kontrast bewusst werden. Pop/Electro vs. Hip Hop – der Gegensatz liegt auf der Hand.

Um diesen Kontrast bzw. die Intensität der einzelnen Songs authentisch zu gestalten, hat der junge Australier sich bei vielen Songs von den unterschiedlichsten Künstler unterstützen lassen. AlunaGeorge, Beck, MNDRVince Staples, Vic Mensa. Die musikalischen Differenzen könnten kaum größer sein. Doch worin resultiert diese „musikalische Diversifizierung“?

Fakt ist, dass Skin als Album bei weitem nicht so stringent verläuft wie sein Vorgänger. Die einzelnen Songs bauen nur begrenzt aufeinander auf, die musikalischen Sprünge sind zwischenzeitlich sehr groß.
Fakt ist jedoch auch, dass Skin über weite Strecken als extrem authentisch wahrgenommen wird. Die musikalische Spreizung sorgt zwar einerseits für eine Trennung, weckt aber andererseits auch die Neugierde des Hörers.

https://www.youtube.com/watch?v=J5Df9Xy7dHE

Vor allem Hip-Hop und Rap Enthusiasten bekommen durch die verschiedenen Features Songs geboten, die wohl schon fast als „außer Konkurrenz“ zu bezeichnen sind. „Lose It“, „Smoke & Retribution“ und „You Know“ brauchen keinerlei Vergleiche im englischsprachigen Hip-Hop zu scheuen.
Einer der absoluten Höhepunkte auf Skin: „Wall Fuck“. Der rein instrumentale Titel erinnert zeitweise stark an die Beats auf Kanye Wests’s Meisterwerk Yeezus, überzeugt aber vor allem auch durch die eigene Note, die Flume ihm verpasst. „Wall Fuck“ macht eine Gradwanderung zwischen Eskalation und Tanzmusik – das Resultat ist genial.

Egal ob Pop, Hip-Hop oder Electro – unterm Strich überzeugt Flume auch mit seinem zweiten Werk auf ganzer Linie!

Live

09.11. Berlin – Columbiahalle
12.11. München – Tonhalle
13.11. Köln – Live Music Hall

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Lars Junker

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Lars Junker

Gründer hier. Indie-Kram, gerne auch mal leise, manchmal laut. Vinyl und Kaffee.