Kristin Kontrol – X-Communicate

Kristin Welchez steckt mitten in einer persönlichen Evolution. Mit den Dum Dum Girls und ihrem Alter Ego Dee Dee suchte sie hinter der Kunst vor allem nach Anonymität, jetzt macht sie allein als Kristin Kontrol weiter und wird dabei sowohl in ihren Songs als auch in den Medien persönlicher denn je.

In ihrem Handeln ist die Sängerin konsequent – die Social-Media-Kanäle der Dum Dum Girls ersetzt sie durch ihr Soloprojekt. Dabei war die Idee, unter neuem Namen weiter zu machen, eine spontane. Welchez versucht, Stagnation zu vermeiden und so beschränkt sie sich im Songwriting nicht auf ein Genre. Die Dum Dum Girls waren für ihren garagigen Indiepop bekannt, doch genau diese Verbindung aus Band und Sound habe Welchez auch oft in ihrem kreativen Prozess eingeschränkt. Unter neuem Namen ist sie frei.

So frei, dass sie ein poppigeres, verspielteres Kapitel aufschlagen kann. „Show me what you’re capable off“, fordert Welchez im Opener ihres Erstlings X-Communicate um sich anschließend zu vergewissern: „Is it love?“. Dass sie dabei klingt wie Blondie ist sicher kein Zufall, denn deren Produzent Richard Gottehrer fungierte Welchez als Berater. Mischen durfte allerdings Kurt Feldman, seines Zeichens Ex-Drummer von The Pains Of Being Pure At Heart, den sie liebevoll den „Synth-Master“ nennt.

In Interviews bezeichnet die 33-jährige sich gern als Workaholic. Spricht davon, wie sie mehrere Songs schreibt und diese letztendlich doch beseite legt, dass sie sich selbst und ihre Musik ausprobieren muss. Mit den Dum Dum Girls bediente sie sich schon immer einem Retro-Klang aus vergangenen Jahrzehnten. Auf X-Communicate zollt Welchez jetzt unter anderem den starken Einflüssen ihrer verstorbenen Idole Prince und David Bowie Tribut. So erinnert besonders „What is love“ in seiner Sentimentalität an den Schmacht-Klassiker „Nothing compares 2 u“.

Der Sound ist von programmierten Drums geprägt und lässt keinen Raum für den verruchten Beigeschmack ihrer ehemaligen Band, wenn auch Welchez’ markante Stimme immer wieder an diese erinnert. Besonders der Titelsong und gleichzeitige Vorabsingle wird von straffen Beats angeführt und birgt großes Ohrwurm-Potential. Das 2014 erschienene Album Too true der Dum Dum Girls habe diese Annährung weg von Gitarren hin zu mehr Pop schon angedeutet.

Doch bleibt X-Communicate weit entfernt von einem Ankommen. Der Synthpop ist aufwendig produziert und lässt in sich keine Makel zu und trotzdem fühlen sich zwei Hände voll Songs hier nur wie ein Zwischenschritt zu etwas Größerem an. Vielleicht auch, weil Welchez regelmäßig mit Aussagen bezüglich ihrer musikalischen Entwicklung und dem eigenen Kreativ-Fundus spielt. In „White street“ gesteht sie: „You know, I never been able to say no to love“. Und ihre Liebe, und besonders die zur Musik, hat Welchez in ihrer Entwicklung nicht verloren.

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Lena Zschirpe

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