Max Jury – Max Jury

Mit gerade einmal 23 Jahren hat Max Jury die Weisheit eines einsamen Cowboys, der schon seit Ewigkeiten in der Prärie dümpelt, könnte man meinen. „Ich bin ein rastloser Geist“, heißt es im Presseschreiben zu seinem selbstbetiteltem Debütalbum. Dass es seinen Namen trägt, bietet sich ja auch an: Jurys Songs sind so autobiografisch, dass es einen neuen Begriff für „intim“ braucht.

Der Sound des Erstlings verwandelt besagten Cowboy in Melodien und erinnert an Neil Young oder an einen frühen Ryan Adams ohne eine Kopie von ihnen zu sein. Dabei ist Jurys engelsgleicher Gesang für diesen durchlebten Country eigentlich zu unverbraucht. „My momma locked me out again/ And hung me high to rust in the rain / I am numb“, singt er im Opener und gleichzeitiger Vorabsingle „Numb“ und wird von einem Chor begleitet, der direkt Gospel-Assoziationen weckt.

Aber auch Orgeln und der lässige Soul-Sound den Jury immer wieder aufgreift, klingen wie eine musikgewordene Suche nach einer neuen Glaubensrichtung. Seine Worte scheinen gut gewählt und ihm nicht immer leicht von den Lippen zu fallen. „But you stuck yourself in a world that doesn’t care for you“, wiederholt er immer wieder im balladenartigen „Grace“.

Jury gehört wohl zu den Songwritern die beim nächsten Album schon wieder eine andere Richtung einschlagen könnten, die sich von ihren Erlebnissen und Einflüssen stark leiten lassen. Seine 2014 erschienene EP „All I want: the sonic factory sessions“, deren Songs es nicht aufs LP-Debüt geschafft haben, waren nicht nur poppiger sondern auch insgesamt verspielter. Diese Experimentierfreudigkeit setzt Max Jury gezielter ein und flechtet Country-Elemente und Soul zusammen, obwohl diese laut dem Songwriter meist nur thematisch zusammenpassen.

Inspiration schöpft Jury meist aus seinen Reisen, neuen Menschen oder Kulturen. „Es kann auch einsam sein, Menschen kennenzulernen, die man dann wahrscheinlich niemals mehr wiedersieht.“ Und diese Einsamkeit ist seinen Songs deutlich anzumerken.

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Lena Zschirpe

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