BETWEEN THE BURIED AND ME – 14.07.2016 – UNDERGROUND, KÖLN

An dem biergartentauglichen Juliabend gaben sich im Kölner Underground die Herren von Between the buried and me, kurz BTBAM, die Ehre. Oder sollte man sagen, sie erwiesen den Freunden der etwas komplexeren Musik die Ehre, ihres Besuchs? Diese erschienen zahlreich. Zwar waren noch Karten an der Abendkasse verfügbar, dennoch war das Konzert sehr gut besucht.

Die Location lädt besonders im Sommer mit diversen lauschigen Plätzen und der Kneipe inklusive Kickertischen auch schon einmal dazu ein, sich erst dann nach drinnen zum Konzert zu begeben, wenn die gewünschte Band beginnt. Trotzdem war die Halle bereits bei den beiden Vorbands gut gefüllt. Spätestens der direkte Opener von BTBAM, der kanadische Export Protest the Hero sorgte für mehr Besucher. Dies mag am Interesse der Zuschauer und einer guten Kombinierbarkeit der beiden Gruppen gelegen haben. Außerdem auch daran, dass auch Protest the Hero eine starke Fangemeinde haben, die dort vertreten war.

Protest the Hero-Sänger Rody Walker zeichnet sich durch eine prägnante Stimme aus. Hinsichtlich der Höhen scheint diese garnicht mal so weit weg zu sein von den Möglichkeiten eines weiblichen Gesangs, zumindest wenn sie nicht gerade brüllt. Anscheinend nutzt er seine Stimmbänder außerdem auch ganz gerne, um zwischendurch mit dem Publikum zu plaudern und zu scherzen. So beklagte er das in Bier getränkte Handtuch, wischte sich dann aber trotzdem das Gesicht damit ab. „Shut up and play“ hieß es nach einer Weile aus dem Publikum. Doch Walker ließ sich nicht beirren. Er erklärte, das sei nun mal seine Art auf die 70 Minuten Spieldauer eines Konzertes zu kommen. Auch das stimmte natürlich nicht ganz. Mit Stücken, die ironisch als „etwas schneller“ angekündigt wurden sowie Vorstellungen der aktuellen Platte Pacific myth bekam Köln an diesem Abend schon einmal eine gehörige Portion Progressive-Metal mit an Powermetal erinnernden Gitarrenriffs geboten. Trotz technischer Probleme mit dem Mikro meisterten die Kanadier ihren Auftritt sehr gut. Möglicherweise scheiden sich gerade an der Stimme – sowohl gesanglich als auch hinsichtlich des Zwischenentertainments – die Geister. Man mag es – oder eben nicht.

https://www.youtube.com/watch?v=BGAn2u515Jg

Nach einer kurzen Umbauphase, in der scheinbar auch die Soundprobleme gelöst werden konnten, wurde die Bühne frei für den Hauptact Between the buried and me. Die fünfköpfige Band aus den USA ist, was das gesprochene Wort angeht, das Gegenteil ihrer Vorspieler. Erst nach dem dritten Song gab es eine kleine Ansprache an die Gäste, danach lange nicht mehr. Und wenn von einem Lied die Rede ist, handelt es sich in Zeiteinheiten ausgedrückt nicht um radiokonforme drei bis vier Minuten. Sieben bis acht Minuten sind bei BTBAM weniger Seltenheit als Standard. Das, was bei anderen Bands die Pausen zwischen den einzelnen Stücken sind, sind bei BTAM Breaks und Stilbrüche innerhalb der Songs selbst. So ging an diesem Abend die Zeit gefühltermaßen schneller vorbei, als erwartet.

Bei BTBAM sitzt jede Note, jeder Akkord. Die Zurückhaltung der Bandmitglieder im Bezug auf Ansprachen mag der absoluten Konzentration geschuldet sein, durch welche präzise die vielschichtige Musik dargeboten werden kann. Oder sie gehört einfach zum Stil dazu. Als arrogante Distanzierung kam sie jedenfalls nicht an. Ein wenig interagierte Sänger Tommy Rogers mit den Personen vor der Bühne. Besonders, wenn er einmal sein Tasteninstrument nicht zu bedienen hatte und einen Schritt nach vorne machte, streckten einige Fans ihre Arme, Stoffblumen und sogar Krücken im Takt auf ihn gerichtet in die Luft.

Der ca. anderthalbstündige Gig von BTBAM war kein Wunsch-Konzert, auch wenn Fans immer wieder in den kurzen Pausen laut Songtitel in Richtung Bühne riefen. Nichtsdestotrotz sollte jeder Fan mit Songs wie „The coma machine“, „The ectopic stroll“ oder „Extemophile elite“ etwas Passendes bekommen haben. Neben den Alben Colors und Parallax II gab es auch Musik vom im letzten Jahr erschienenen Langspieler Coma Ecliptic. Rollende Gitarren, Tasteninstrumente, die das Spektrum erweitern und ein variantenreicher Gesang zeichnen den musikalischen Fingerabdruck der Band aus. Kommt es nach einem Stilbruch innerhalb eines Songs zu klarem Gesang mit Pianountermalung, kann man schon einmal kurzzeitig an Queen erinnert werden. Die Betonung liegt auf kurzzeitig, denn schnell nimmt ein Lied wieder eine andere Wendung.

Wer diese Umbrüche kennt und sie körperlich mitmacht, gibt sich als Kenner der Band zu erkennen. Denn die Fans gingen trotz der komplexen und verflochtenen Strukturen immer passend mit. Doch auch wer nicht alles kannte und vom Taktwechsel überrascht wurde konnte eintauchen in dieses Klanguniversum. Dieses endete nach einer großzügigen Zugabe für viele mit Zufriedenheit.

Links:

http://www.protestthehero.ca/

https://www.facebook.com/protestthehero/app/123966167614127/?ref=page_internal

http://www.betweentheburiedandme.com/

https://www.facebook.com/BTBAMofficial/

 

Stefanie Zerres

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