Juicy Beats Festival 2016

In diesem Jahr fand zum 21. Mal das Juicy Beats Festival im Dortmunder Westfalenpark statt und überzeugte im Bundesland Nordrhein-Westfalen erneut mit ausverkauften Tickets.

Am Wochenende des 29. und 30.07. verteilten sich knapp 50 000 Besucher über das gesamte Gelände und pendelten in einem Zwei-Tages-Rhythmus zwischen 27 Stages, die am späten Abend durch verschiedene Dancefloors ersetzt wurden und die Masse zum Tanzen animierten. Das Line-Up bot ein breitgefächertes Spektrum an Genres an, sodass für jeden Musikliebhaber garantiert ein Act vorzufinden war, der seinem Geschmack entsprach. Wie bereits am Titel des Festivals bewusst wird, ist der Obstsalat eine Metapher, die sich ebenso in der Staffelung der Bühnen wiederfand und man konnte sich wortwörtlich an Symbolen orientieren, die ihre Früchte trugen.

Problematisch wurde es allerdings dann, wenn man nach einem erhöhten Alkoholpegel Form und Farbe nicht mehr eindeutig differenzieren konnte und das Gelände sich kurzerhand in ein Labyrinth verwandelte. Für diesen Zustand boten sich natürlich ausgebildete Security-Mitarbeiter an, die uns besagte Orientierung wiederfinden ließen, sodass wir unsere Zielbühnen ansteuern konnten.

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Die Hauptbühnen mussten jedoch vorerst gar nicht mehr gesichtet, sondern konnten teilweise klar und deutlich durch den Zuschauerandrang und Lautstärkepegel identifiziert werden.
Auch am Samstag musste man nicht vergeblich auf gutes Wetter warten und konnte vom Nachmittag bis zum Abend ein angenehmes Feeling auf dem Gelände genießen und eine Menge neuer Künstler entdecken, was nicht nur erheblich an der Größe des Geländes lag, sondern gleichermaßen an den einnehmenden Soundkulissen, die teilweise ineinander übergingen, sodass man sich quasi schon automatisch von A nach B tanzte.
Rhythmenwechsel erfolgten durch die Auswahl der Dancefloors in einer Mischung aus Deep und Tech House-Sets, Indietronica bis hin zum Dancehall und Reggae und man konnte sich teilweise sonnengeschützt oder unterstützt durch einen leichten Windhauch mit Leichtigkeit durch den Nachmittag bewegen.

Freitag 29.07.2016:

Freitag ging es entspannt über den Presse-Eingang aufs Gelände (man gönnt sich ja sonst nichts) und wir wurden vom kleinen Tuc Tuc Moving Disco Floor, welcher seinen Standort auf dem Festivalgelände immer wieder ändert, empfangen. Eine Mischung aus Reggae, Dub und Dancehall zur Begrüßung und die intime Atmosphäre von nur rund 20 Menschen am Tuc Tuc sorgten für einen sanften Einstieg. Da uns das Line Up am Freitag vorab noch nicht so richtig gecatcht hatte, war entdecken angesagt, und mit seinen acht Bühnen am Freitag und 27 (!) Stages am Samstag war das Juicy Beats prädestiniert dafür.
Weiter ging es mit System Solar auf der Electronic Stage nahe dem Haupteingang – in nächster Nähe zum Riesenrad und der Kreativmeile, auf der junge Labels aus NRW von hauptsächlich Klamotten, Schmuck bis hin zu Graffiti-Holz-Kunst alles Mögliche anboten. Die Südamerikaner legten ein spannendes Set irgendwo zwischen Afrobeats, Reggae, Cumbia und Electro hin und begeisterten das Publikum. Sicher einer der tanzbarsten Acts des Wochenendes.
Man merkte dem Freitag insgesamt an, dass der Fokus trotz erstmalig zwei Tagen auf dem Samstag lag: Teile des Geländes waren noch nicht zugänglich und die zweite Mainstage blieb noch geschlossen.

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Trotzdem bot der Abend den 257ers quasi ein Heimspiel und mit Deichkind einen der Headliner dieses Jahr. Während die 257ers mit verrückt-buntem Bühnenbild inklusive Regenbogen und Früchten das Publikum unter einem Schaumteppich zum Ausrasten brachten, gaben sich Deichkind futuristisch wie eh und je: Die vor allem für ihre visuell herausragenden Bühnenperformances geschätzten Hamburger waren letzter Mainact am Abend. Dementsprechend leer stellten sich die anderen Bühnen und Floors für uns dar, die eher gegangen waren – aber auch das änderte sich zum Glück noch. Trotz abgespecktem Freitagsprogramm gab es daher immer noch Auswahl im Überfluss.

Samstag, 30.07.2016:

Samstag ging es dann wie erhofft richtig rund. Nun stand das gesamte Gelände zur Verfügung und bot den 32.000 Besuchern am Samstag allerhand. Da uns ein langer Tag ohne viel Pause und mit vielen Höhepunkten bevorstand, ging es auf der kleinen aber feinen Reggae-Stage entspannt und gut los: Mit viel Roots und Contemporary Reggae zeigten die Essener von Huttrop Hill Sound, dass der Pott sich hier musikalisch nicht verstecken muss.
Danach war mehr Dancehall beim ebenfalls aus Essen angereisten Firebug Soundsquad – uns zog es aber weiter zur Second Mainstage, auf der ab 16:00 Uhr Chefket sein Können als Live MC unter Beweis stellte. Der Berliner hat seit seinem letzten Album Nachtmensch nochmal ordentlich an Popularität zugelegt, eine volle Bühne und eine textsichere Crowd war der Beweis dafür. Vor allem auf Grund seiner musikalischen Vielschichtigkeit ist der Wahlberliner beliebt und wandelte spielend von fettesten Bässen über A-Capella zur Solo-Piano-Untermalung. Neben den 257ern und Motrip, welcher ebenfalls am Samstag spielte, eine weitere schöne Facette des deutschen Hip-Hop, der auf dem Juicy Beats insgesamt stark vertreten war.

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Ein Gast, der am frühen Nachmittag einen Massenansturm auslöste und sich mit Schlagwörtern wie Herzschmerz und Balladen identifizieren kann, war die Bandformation von AnnenMayKantereit.
Die Boxen wurden gefühlt im Volume lauter gestellt und hüllten die Hauptbühne in ein romantisches Flair, während die Sonne so langsam am Horizont unterging. Untermalt durch die kreischende Fangemeinde, die es schaffte, sich Stunden vorher an die Hauptbühne zu drängen, sang Frontmann Henning May mit seiner kräftig-rauchigen Stimme Songs wie ,,Barfuss am Klavier”, ,,Es geht mir gut” und ,,Bitte Bleib” und ließ einige Frauenherzen im Publikum dahinschmelzen – vermutlich wären sie auch niemals gegangen, hätte die Band nicht die Bühne verlassen. Die Begeisterung war groß und die Live-Performance glich gesanglichen Call-and-Response-Einlagen zwischen Publikum und Band, die vor Freude und emotionaler Überwältigung so manche Wangen mit Tränchen benetzten.

Auf der Sandstrand-Bühne performte gegen 19 Uhr ein dänisches Elektro Pop-Duo, das bis dato unter Rangleklods in aller Munde war. Noch bevor das Line-Up des diesjährigen Juicy Beats Festivals komplett war, erfolgte jedoch ein spontaner Imagewechsel, der eine Namensänderung mit sich zog. Aus Rangleklods wurden Blondage, die alten Standards blieben und man konnte eine Mischung aus altbekannten Tracks und ein Pre-Listening zum neuen Album betreiben, dessen Veröffentlichung im September vor der Tür steht. Esben Anderson und Pernille Smith-Sivertsen, die nicht nur optisch eine Augenweide sind, betraten in gewohnt lässiger Manier die Bühne, gaben ihre Skills der Multiinstrumentalisten mit gesanglichen Wechselpassagen zum Besten und katapultierten das Publikum in eine 80’s-Atmosphäre, bei der man nicht stillstehen konnte.
Schwelgende Bässe, die düster anmuten ließen und noch aus dem Konzept des ersten Projektes Rangleklods bekannt waren, wechselten sich mit einer neuen sommerlicheren Synthie-Pop-Attitüde ab und die hohe klare Stimme der Sängerin ließ Vergleiche zu aktuellen Pop-Ikonen wie Robyn oder Grimes anstellen. Nicht nur in den Gesichtern des Publikums, sondern auch auf der Bühne wurde ein Pokerface durch ein Lächeln ersetzt und man konnte eine allgemeine Zufriedenheit und den Spaß an der Musik in all seinen Facetten erkennen. Besonders die ersten beiden Tracks, die auf dem angekündigten Debüt Blondage schon ihren Weg ins Netz gefunden hatten, konnten positive Resonanz im Publikum erzielen und man freute sich beim tanzbaren Song ,,Lucky Black Skirt” immer wieder besonders auf die Drumpadelemente der platzenden Bubblegum, während die Rangleklods-Ära abermals mit ihren Refrains überzeugte, die man nach wenigen Minuten munter mitsummen konnte.

Am Samstagabend ging es schließlich für den krönenden Abschluss zu Wanda. Die Alternative Fritz Kalkbrenner wäre auch attraktiv gewesen, aber…Wanda. Man kann sie eigentlich nur lieben oder hassen, wir taten auf jeden Fall ersteres. Rauchend, trinkend, laut und schön gaben die Österreicher alles, was man zum glücklich sein brauchte, mehr Amore ging nicht, eine kleine Frotzelei in Richtung der Jungs von Annenmaykantereit inklusive. Sänger Marco Michael Wanda verteilte Zigaretten ins Publikum und zeigte auch sonst, warum man den Mainact-Status verdient hatte. Eine tolle Mischung der beiden Alben inklusive der großen Hits ,,Bologna” und ,,Bussi Baby”ergaben eine Stunde Tanz, Glück und Mitsingen fürs Publikum. Dass Wanda sich auf den Bühnen dieser Republik sehr wohl fühlen, war mehr als spürbar.

Insgesamt ein gelungenes Wochenende, das nicht nur mit der Auswahl der Künstler, sondern auch mit der Anzahl der Bühnen und Dancefloors enorm punkten konnte. Wir bleiben gespannt und verfolgen das Geschehen in der Dortmunder Festivalszene, wenn auch im nächsten Jahr wieder die Sommersaison mit einem saftigen Mix an Bands, DJ’s und Singer-Songwriters zelebriert werden soll.

Aktuell steht schon der Termin  für das Juicy Beats 2017 fest: Am 28. und 29. wird die 22. Runde im Westfalenpark eingeleitet. „Katertickets“ für 61,40 Euro sind schon jetzt erhältlich. Laut Informationen der Veranstalter wird die Ticketzahl womöglich ein weiteres Mal aufgestockt.

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Photocredits: ©H&H Photographics

Autoren: Philipp Lehmann & Denise Schmid

Philipp Lehmann

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