Faith No More – We Care A Lot Deluxe Band Edition

We Care A Lot ist das 1985 erschienene Debüt-Album der aus der Bay Area stammenden Band Faith No More. Nach mehr als 30 Jahren wird dieses Album nun wiederveröffentlicht und enthält als Deluxe Band Edition Bonusmaterial aus vergangener Zeit.

Tatsächlich ist es jedoch nicht allzu lange her, dass man von Faith No More etwas gehört hat. Die Pause zwischen den zwei letzten Alben – das ironisch-bescheiden betitelte Album of the year erschien 1997 – war zwar recht lange, aber 2015 gab es mit Sol Invictus ein mit neuen Songs gespickten Longplayer von Faith No More. Insbesondere auf Festivals konnten die Fans auch live die Musikgruppe, die mit ihrem ganz eigenen Stil in den 90er Jahren den Genre-Begriff „Crossover“ mitprägten, wieder genießen.

Unter dem Titel „Lukratives Schwelgen in Erinnerungen“ erschien im letzten Jahr in der Süddeutschen ein Artikel über Band-Comebacks, in dem unter anderem auch jenes von Faith No More thematisiert wurde. Eine Band-Wiedervereinigung sei ein Risiko fürs Image, doch Nostalgie verkaufe sich gut, heißt es dort. Die Musiker, selbst im mittleren Alter, haben gleichaltrige Anhänger. Und deren Kaufkraft ist heute höher, als sie es noch in der Jugend war. Doch das wiederum war die Zeit, in der noch mehr neue Musik konsumiert wurde. Ebendiese Zeit, die Jugend, lasse sich durch das Hören der früheren Musik-Idole in Erinnerungen aufleben. Außerdem sei die Generation der 90er Jahre-Bands die letzte, die es im Prä-Streaming-Zeitalter noch gewohnt war, Geld für LPs und CDs auszugeben. Im Hinblick auf das neue Angebot von Faith No More sollte man zwar nicht ganz außer Acht lassen, dass die Bandmitglieder auch zwischenzeitlich aktiv waren. Dennoch darf man sich in diesem Tenor natürlich fragen, ob der Grund dafür hauptsächlich kommerzieller Natur ist. Insbesondere, wenn es sich bei der Wiederveröffentlichung um ein Album handelt, das zwar prägend, aber nicht unbedingt den Höhepunkt der Karriere zeichnend war. Man darf die Frage stellen, muss sie aber nicht zwingend beantwortet bekommen. Schließlich ist der Kauf eine individuelle Entscheidung. Selbst wenn er durch das Schwelgen in Erinnerungen geleitet wird, muss man das nicht unbedingt negativ werten. Schließlich handelt es sich hierbei um ein Stückchen Musikgeschichte.

Einer der Gründe für die Neuauflage in Eigenregie, die von der Band selbst genannt werden, ist dass die Platte seit nun mehr als 20 Jahren nicht mehr kommerziell erhältlich war. Sie war ursprünglich auf Mordam Records erschienen. Während Sol Invictus auf Mike Pattons Label Ipecac erschienen ist, kommt das Reissue von We care a lot nun bei Koolarrow Records raus. Dessen Gründer und Faith No More-Bassist Billy Gould war es auch, der beim Aufräumen seines Kellers – und hier kommt Grund Nummer zwei für das Re-Release – die Original-Masterbänder gefunden hat.

Bassist Billy Gould gehört zu der Erstbesetzung der Band, wie sie auf We care a lot zu hören ist. Ebenso konnte man auch Keyboarder Roddy Bottum und Drummer Mike Bordin durch alle Banddekaden bewundern. Sänger Chuck Mosely hingegen wurde bereits 1988 von Stimminstrumentalist Mike Patton, der außerdem für diverse Projekte wie Mr. Bungle, Fantomas, Tomahawk und Peeping Tom bekannt ist, am Mikro abgelöst. Auch James B. Martin, dessen Markenzeichen im Laufe der Bandkarriere eine rote Brille und – viel wichtiger natürlich – sein grandioses Gitarrenspiel wurde, verließ die Band nach dem Angel Dust-Album. Da es in der kompletten Ur-Besetzung von We care a lot keine live-Präsentation geben wird, kündigte Billy Gould auf der Band-Homepage eine andere Aktion zur Wiederveröffentlichung an: Weltweit sollte die Fangemeinde einen Tag vorher, also am 18.08.2016, zu „Listening Sessions“ zusammenkommen. Dort wurde das Album in voller Länge und unter „optimalen Umständen“ präsentiert. Auf der Koolarrow-Facebook-Seite teilten die Fans diese Events miteinander.

Doch zurück auf Anfang, was ist nun drin im neuen-alten Album? Von außen unterscheidet es sich kaum vom Vorgänger. Das schlichte Cover mit Bandnamen, Logo und Albumtitel enthält nur noch die Ergänzung „Deluxe Band Edition“. Das Booklet beinhaltet zusätzlich Fotos aus der Zeit der Studioaufnahmen. Damals wie auch bei den späteren Alben zeichnen sich Faith No More durch eine musikalische Dichte aus. Diese zu durchdringen bzw. zu ergründen bedarf es unter Umständen mehrere Hör-Durchgänge. Doch es ist lohnenswert, sich imaginär mal hinter Roddy Bottums Keyboards zu stellen, neben Mike Bordin die Vibration der Drumfelle zu spüren oder Billy Goulds Basssaiten wummern zu hören.

Faith No More haben über die Jahre hinweg einen Wandel aufgrund von Experimentierfreudigkeit durchgemacht, der sie aber nie ganz von den Wurzeln, die man auf dem Debütalbum hören kann, weggebracht hat. Der titelgebende Song, der gesanglich auch von Patton später immer wieder live wunderbar interpretiert wurde, war nicht nur ein Hit. Er steht auch für den typischen damaligen Sound der Band: klare, tiefe Basslinien, prägnante Gitarrenriffs, ein Teppich von kontrastierenden Keyboardmelodien und trotz Komplexität eine spürbare Eingängigkeit. Der Gesang von Chuck Mosely war, wenn man beispielsweise „As the worm turns“ auf dem Album mit den späteren Liveversionen von Patton vergleicht, eher ein Sprechgesang mit mehr Ausrufen und weniger Tonvariation. Er machte aber eben den Anfangsstil mit aus, der durch Einflüsse aus anderen Musikrichtungen wie Hip Hop beeinflusst war. Auch besonders war, dass die Band vor rein instrumentalen Stücken wie dem großartigen „Pills for breakfast“ nicht zurückschreckte und damit der Platte insgesamt besondere Brüche gab.

Und was hat das Reissue zusätzlich zu bieten? Mit den neun Bonus-Tracks sind Remixe, Demoversionen (von den orginalen 8-Track-Bändern) und Livemitschnitte der auf dem Album vorhandenen Songs vertreten. Die Titel „We Care A Lot”, „Pills for Breakfast” und „As The Worm Turns” wurden von Matt Wallace, der schon früher für Faith No More tätig war, aber auch für seine Arbeit mit Bands wie R.E.M. oder 3 Doors Down bekannt ist, neu gemixt.

Damit ist diese Veröffentlichung wohl zum einen hauptsächlich für die ganz großen Fans interessant, die das Original schon lange aus Leidenschaft im Regal stehen haben und sich über die Ergänzungen freuen. Oder es ist das Richtige für solche, die das Album noch nicht besitzen und somit ideal die Lücke schließen können. Auch wenn es auf We Care A Lot Deluxe Band Edition nicht viel Neues gibt, kann man diese Songs immer wieder hören und neu entdecken. Man merkt, dass es schon zu dieser Zeit nicht nur nach dem Motto „And it`s a dirty job, but someone got to do it“ ging. Sondern hier waren Vollblutmusiker in einer Mission unterwegs. Sie ist geglückt, das kann man wohl so sagen.

Homepage:
http://www.fnm.com/

Facebook:
https://www.facebook.com/faithnomore
https://www.facebook.com/KoolarrowRecords

Foto: Pressefreigabe

Stefanie Zerres

About author

Stefanie Zerres