Devin Townsend Project: Transcendence

Mit Transcendence erscheint nun das neuste Werk des kanadischen Masterminds Devin Townsend. Dessen Musikkarriere hatte bereits einige Stationen, u.a. als Sänger für Gitarrenvirtuose Steve Vai sowie als Gründer von Strapping Young Lad, bevor die Bands anfingen seinen Namen zu tragen. Unter Devin Townsend Band oder Devin Townsend Project wurden bereits mehrere Alben veröffentlicht, zuletzt Sky Blue vor zwei Jahren.

Das Devin Townsend Project ist im Grunde ein Soloprojekt, mit einer festen Besetzung und zusätzlichen Gastmusikern. Zu dieser Band, die auf Transcendence zu hören ist, gehören neben Devin Townsend, der für die Vocals, Gitarre, Keyboard und Programmierung zuständig ist, Ryan Van Poederooyen (Schlagzeug), Dave Young (Gitarre, Keyboard), Brian ‘Beav’ Waddell (Bass) und Mike St-Jean (Keyboard, Synthesizer, Programmierung).

Außerdem sind auf Transcendence fünf Gastmusiker zu hören. Eine davon ist die Niederländerin Anneke van Giersbergen. Die ehemalige Frontfrau von The Gathering und erfolgreiche Solokünstlerin hat schon mehrfach mit Devin Townsend zusammen gearbeitet. Einmal gute Leute gefunden zu haben mache die Notwendigkeit, weiter zu suchen unnötig, so begründet Townsend seine immer wiederkehrenden Kooperationen mit den gleichen Musikern. Anneke van Giersbergen gab beispielsweise bereits Stücken wie „Hyperdrive“ vom Album Addicted oder „Lucky animals“ von der Platte Epicloud einen unvergleichlichen Charakter. Ihre Stimme hat eine große Bandbreite und scheint oftmals einfach das Pendant von Devin Townsends Gesang zu sein. An anderen Stellen ist sie eine perfekte Ergänzung. Weitere Gastmusiker auf dem Album sind Ché Aimee Dorval und Katrina Natale, die mit Anneke van Giersbergen weibliche Stimmen sind, die Devin Townsend zusammen auf diesem Album haben wollte, für den Fall, dass es das letzte des Projektes gewesen sein sollte. Weitere Gesangsunterstützung liefert der fünf Personen starken Chor mit Namen Tigers In A Tank. Bereits auf Epicloud war ein Chor, jedoch ein Gospelchor, zu hören. Dieses Mal wollte er drei Frauen und zwei Männer, deren Gesang dann durch die Overdub-Technik bearbeitet wurde.

Eine gewisse Ungeduld und ein großer Schaffensdrang scheinen den 44-jährigen Townsend zu kennzeichnen. Die Präzision und Genauigkeit merkt man seiner Musik live wie auch auf Platte an. Er produziert, jede Note muss stimmen und dort sein, wo sie hingehört. Dabei auch offen für Änderungen zu sein, den DTP-Stil frisch zu halten, ohne aber den alten Charakter zu verlieren, das soll sich im neuen Album wiederfinden. Denn Transcendence hat als die nächste Phase von The Devin Townsend Project, das kurzeitig gefährdet war, vom Meister auf Eis gelegt zu werden, eine etwas andere Entstehungsgeschichte. Der sonst an allen Fäden ziehende Bandchef überließ dieses Mal wesentlich mehr seinen Mitmusikern. Waren sie es früher gewohnt, einfach die vorgegebenen einzelnen Parts einzustudieren, hatten sie dieses Mal auch kreative Freiheiten. Ob man diesen neuen Bandcharakter raushören kann, ist schwer zu sagen. Nach wie vor handelt es sich um ein typisches Townsend-Album – die Fans werden hier wohl nicht enttäuscht sein. Dies mag an dem jahrelangen gegenseitigem Einfluss der Protagonisten aufeinander oder auch an gemeinsamen musikalischen Vorlieben liegen, bleibt aber Spekulation. In jedem Fall handelt es sich hierbei um musikalische und technische Professionalität.

Über 60 Songs kamen in Frage für das in den Armour Studios in Vancouver produzierte Werk. Zehn davon haben es auf das Album geschafft. Eingeleitet wird dieses hallend und sphärisch mit „Truth“, das nach wenigen Sekunden paukenschlagartig mit mehrstimmigem weiblichen und männlichen Gesang richtig startet. Könnte der darauf folgende Songteil auch als Untermalung eines bunten Treibens in einem Zeichentrickfilm dienen, erklingen mit einem „Halleluja“ nach der Hälfte die ersten richtig hörbaren Worte. Der Song endet mit der Feststellung „everything changed“. Scheint es nach den ersten anderthalb Liedern vielleicht so, als dass Devin Townsend sein gesangliches Spektrum nicht voll ausschöpft, zeigt er zum Ende von Track zwei (Stormbending) dann doch, was er gesanglich kann. Der Hörer kann in die Räume seiner Stimmbandschwingungen eintauchen. Mit Track drei geht dies dann weiter und lässt Bewunderung der Stimme walten, alle Höhen und Tiefen sind dabei. „Failure“ ist ein klares Highlight, sowohl was den Gesang angeht, der klar ist und von weniger Instrumenten im Hintergrund verdeckt werden könnte, als auch hinsichtlich eines tollen Gitarrensolos. Klassische Instrumente werden hier außerdem angedeutet. Das titelgebende Stück „Transcendence“ hat ein tragendes Schlagzeug am Anfang, klare Gitarrenrhythmen, opernhaften Gesang, miteinander kommunizierende Stimmen von Anneke und Devin, eine hymnische Grundmelodie und einen Mitteilteil, der vom Galopp ins Traben übergeht. Das darauf folgende „Offer your light“ könnte in den ersten Sekunden auch einer Rollschuhdisko mit schneller Lichtmaschinen passend zu den Synthies entstammen, bis der Song richtig beginnt, die Gitarren und das Schlagzeug einsetzten und ein schöner Gesang beginnt. Mit „Transdermal Celebration“ befindet sich auch ein Cover der Band Ween auf dem DTP-Album. Durch Hintergrundgesang dichter klingend als das Original, aber mit ruhigen Parts auch nah daran, endet die Platte damit stilvoll.

Trotz der zahlreichen talentierten Gesangskünstler, die am Album beteiligt waren, gibt es auch viele instrumental dominierenden Stellen. Die Stimmen sind nicht überpräsent, sie befinden sich manchmal auch nur im Hintergrund. Die Gitarren sind mal klar, mal verzerrt, immer gerade so wie sie am besten zur Geltung zu kommen scheinen. Die musikalischen Einleitungen sind nicht immer charakteristisch und lassen Raum für Überraschungen im Laufe der einzelnen Lieder. Ein dicker Instrumententeppich lässt nichts an Dichte zu wünschen übrig. Keyboards und Synthesizer spielen ebenso tragende Rollen wie Saiteninstrumente. Auch wenn Transcendence vielleicht nicht das härteste Album aus der Feder Devin Townsends ist, darf die Doublebase nicht fehlen und die Musik ist nach wie vor Headbanger-kompatibel. Es finden sich Songs, deren Besonderheiten direkt ins Ohr fallen, andere muss man mehrmals hören. Im Gesamten ist die Musik vom Devin Townsend Project aber ohnehin nichts für kurze Aufmerksamkeitsspannen, da sie viel zu bieten hat. Übrigens, für alle die damit nicht genug haben: In einer limitierten Edition des Albums gibt es elf zusätzliche Tracks.

Neben dem neuen Album ist auch eine Devin Townsend Project Dokumentation erschienen, Ein Freund der Band, Mike Zimmer, hat die Band zwischen März und April 2016 bei den Aufnahmen begleitet. Die Doku ist in mehreren Episoden gesplittet und kann auf Youtube angesehen werden.

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Tourdaten

9.02.2017 – LKA Longhorn, Stuttgart
10.02.2017 – Backstage, Munich
17.02.2017 – Täubchenthal, Leipzig
21.02.2017 – Grünspan, Hamburg
22.02.2017 – Voxhall, Aarhus
7.03.2017 – Columbia Theater, Berlin
8.03.2017 – FZW, Dortmund

Bild: Pressefreigabe

Stefanie Zerres

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