Sekuoia – flac

Der 23-jährige Däne Patrick Alexander Bech-Madsen aka Sekuoia, der derzeit in Kopenhagen lebt, kursiert aktuell als Geheimtipp der elektronischen Producer-Szene und wird mittlerweile mit Referenzen wie Four Tet, Shigeto sowie Mount Kimbie in einem Atemzug genannt. Mit seinem Debüt flac kündigen sich tanzbare Sphären an, die deutlich cluborientierter sind und Einflüsse von Techno und Electronica der skandinavischen Metropolen mit verhallten, organischen Klangstrukturen überlagern.

Sein Pseudonym stammt ganz willkürlich von der Aufschrift eines Kühlschrankmagneten der Naturparkgefilde, dessen phonetischer Klang mit einer Abänderung der Schreibweise einherging: Sequoia National Park. Anfänglich wurden seine Tracks besonders durch virtuelle Plattformen wie HypeMachine und Soundcloud gestreut und verbreitet. Live-Sets, die er über die Jahre auf einigen Festivals und Konzerten in über 20 Ländern in aller Regelmäßigkeit auf ihre Publikumstauglichkeit prüfen konnte, wurden mit solch positiver Resonanz aufgenommen, dass sich mit seinem ersten Longplayer gleichzeitig eine Loslösung vom New-Comer-Status ankündigen könnte.

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Patrick Bech-Madsen: Sekuoia. Photo:Stephanie Stål

Er kreiert treibende Soundlandschaften, die aus Einflüssen der Flora und Fauna das Konzept von Atmosphäre verbinden, in der man sich verliert, schwelgt und wie hypnotisiert fühlt. Bis dato galt hier ein Verzicht von Lyrics und Gesangspassagen. Seit 2012 folgten lediglich Veröffentlichungen von EPs, doch seitdem Sekuoia bereits auf vielen Festivals die Besuchermengen on stage zum Tanzen animieren konnte und die Einflüsse der elektronischeren Clubszene Kopenhagens sich subtil in seinen Stil eingeschlichen haben, soll auch sein Debüt, das am 19. September unter dem Label Humming Records veröffentlicht wird, deutlich beatlastiger in Erscheinung treten. Mit seinem ersten Longplayer flac, der namentlich eine Anspielung auf das komprimierte Soundformat in Studioqualität liefert, fokussierte er sich ebenso auf vocals, die durch Features mit Marc Roland sowie Kill J gegeben sind und ließ sich sogar von sinnlichen R’n’B-Passagen inspirieren.

10 Tracks, die im Vergleich zu seinen Vorgängern an Tempo und Rhythmus zunehmen, sodass man gerne auch mal die Tanzfläche aufsuchen wird, ohne sich wie bis dato stets treiben zu lassen. Die ersten Auskopplungen ,,Someone’s Problem” sowie ,,Brace (feat. Marc Roland)” beweisen, dass sich hier ein stilistischer Wandel vollzogen hat.Im Video, dessen Konzept Faraz Shariat visualisierte, finden sich nochmals Anmerkungen des Einflusses aus organischen Bereichen, die sich im setting eines Gewächshauses widerspiegeln, mit viel Liebe zum Detail initiiert wurden und sich im Verlauf zu einem Ohrwurm entwickeln, der durch seine vocals dazu zwingt, ihn in Repeatschleife anzuhören.

Trotz alledem ist der sphärische Einfluss, der EP’s Finest Ego/ Faces Series Vol. 3 (2012), Trips (2014) bzw. der im letzten Jahr veröffentlichten Reset Heart (2015), die stilistisch sehr markant waren, nicht vollends verloren gegangen. Klanglich wirkt flac deutlich moderner gemastert und verzichtet auf Lo Fi-Filter und analoge Produktionsraster.

Den Einstieg liefert ,,Rayanne”, der ruhige Gitarrensounds durch Drums aufbricht und sich in sanfter Steigerung in einen elektronischen Track verwandelt, der sehr energetisch klingt.,,Aer”, ,,Rek” und ,,Bashed” heben besonders eine Orientierung an repetitiven elektronischen Melodien aus den Bereichen des Drum’n’Bass und Techno hervor, die sehr rhythmisch werden. Hier und da wird mit Genreüberschneidungen experimentiert und eine vielfältige Platte konzipiert, die den Einfluss unterschiedlicher elektronischer Gebilde zu einem Neuen eint. Berücksichtigt man ebenso die persönlichen Vorbilder von Patrick Bech-Madsen, filtert man im Track ,,Beau” anfängliche Ambientsounds heraus, die Bonobo nicht unähnlich sind und in dessen elektronischem Eigenkonzept Ergänzung finden. Auf neuen Ebenen demonstriert sich ,,Certain” mit düster abschweifenden Sounds, die low gepitcht anklingen und teilweise den 2-Step Ambient-Einfluss in Kombination mit Dubelementen aufgreift, der sich in der Witch House-Szene durch Künstler wie Ghosts und xxyyxx etablierte.

Mit flac fasst Sekuoia nochmals alle Einflüsse zusammen, die jemals prägend waren und denen er sich im Laufe der Zeit annäherte, um seinen musikalischen Horizont auszuweiten. Ein Zusammenspiel aus elektronischen Sounds, die sie sich in verhallten Klangstrukturen verlaufen, in gesteigerten Rhythmen fortsetzen und sich hin und wieder durch den Aufgriff von Pop-Hooks in unser Gedächtnis einbrennen und vorantreiben.

Mitte Oktober kommen wir ebenfalls in das Vergnügen, sein Debüt live und Farbe zu erleben – bis dato gilt beim Pre-Listening zur Live-Show: einen Moment inne halten, sich von sphärischen Sounds auf eine kleine Reise nach Kopenhagen mitnehmen lassen und nach Empfehlungen des Künstlers selbst, möglichst dunkle spots in lauen Nächten auszuwählen, um sich ebendiese Tracks adäquat zu Gemüte zu führen.


Tourdaten:

19.10.16 Wien, Wanne (AT)

21.10.16 München, Orangehouse

24.10.16 Zürich, Stall 6 (CH)

27.10.16 Köln, YUCA

29.10.16 Hamburg, Molotow

 

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Photo credits: Stephanie Stål. All rights reserved.

Denise Schmid

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