Birdy – 09.10.2016 – Oberhausen, Turbinenhalle 2

Eine glamouröse Birdy, gekleidet in schwarz-goldenem Body mit durchsichtigem von Pailetten durchzogenen Rock, lieferte dem Publikum am vergangenen Sonntag in der Turbinenhalle Oberhausen eine Show, der es an nichts fehlte, außer vielleicht einem Lächeln.

Das britische Stimmwunder Jasmine van den Bogaerde, genannt Birdy, die 2009 ihren Durchbruch mit dem Cover des Bon Ivers Songs “Skinny Love” verzeichnete und seit dem drei weitere Alben veröffentlicht hat, spielte nach ihrer ausverkauften Tour im Frühjahr anlässlich ihres dritten Albums Beautiful Lies ein weiteres mal in Deutschland.

Von der sonst so schüchternen Britin war am Sonntag nicht mehr viel wieder zu erkennen. Neben ihrem glamourösen Auftreten und dem scheinbar mühelos perfekten Klavierspiel, rückte ihre Band in den von zahllos schimmernden Schleiern verhangenen Hintergrund der Bühne. Trotzdem galt an dem Abend jedem Instrument seine Glanzstunde: So fanden sich neben der gängigen Instrumentierung auch eine Geige und eine Holzflöte, die mit ihrem Erklingen zu Beginn des ersten Liedes “Shadow” das Publikum sofort in ihren Bann und den Lautstärkepegel in den gefühlten Minusbereich zog. Eine fast märchenhafte Stimmung legte sich auf die ansonsten eher rustikal anmutende Konzerthalle: „Wherever you go I’m your shadow.“

Dabei war es erstaunlich mit was einer Leichtigkeit es die 20-jährige in sowohl sehr hohe als auch tiefe Register verschlug. Neben neuen Songs wie “Shadow” oder “Hear You Calling” spielte Birdy auch ihre erfolgsdurchbrechenden Eigeninterpretationen der Songs “1901” der Band Phoenix, “People Help The People” der Band Cherry Ghost und natürlich des Klassikers “Skinny Love”. Dimmriges Licht und erhobene Feuerzeuge gaben Antwort auf die emotionsgeladenen Songs und trugen Hörer von jung bis alt in melancholische Gefilde.

Still schweigend oder freudig erregt, die Emotionen des Publikums rangierten zwischen den Extremen. Besonders lauten Applaus bekam Birdy jedoch in dem Moment, da sie sich von ihrem Flügel erhob und den Song “Winter” in seinen ersten Strophen solistisch vortrug. Dass Birdy eher zurückhaltender Natur ist, hat die Sängerin bereits einige Male von sich behauptet. Um so mehr freute es das Publikum daher, der sonst so schüchternen Birdy einmal in vollem Glanze und nicht hinter dem Flügel versteckt, bewundernd lauschen zu dürfen. Ein Lächeln der Sängerin hätte den Auftritt vollends zur Vervollkommnung gebracht, dieses zu erhaschen war den Abend über jedoch schwierig. Birdy blieb selbstsicher und doch eher ernst bei der Sache.

 

Mit dem Song “Beautiful Lies” neigte sich das Konzert schließlich langsam dem Ende zu. Nur der Flügel und die kraftvolle und doch weiche Stimme Birdy‘s trugen ihren Klang durch die Halle, worauf nach und nach die Geige miteinstimmte. Durch ihre Natürlichkeit und ohne unnötig große Show entstand eine Nähe zum Publikum, die einem Seelenstrip ähnelte. Dass große Musik manchmal nicht mehr als diesen Minimalismus benötigt, zeigte Birdy hier deutlich.  Abschließend ertönte der erfrischend fröhliche Song “Keeping Your Head Up”, der dem Konzert einen musikalisch krönenden Abschluss verlieh und das Publikum zufrieden und doch optimistisch nach draußen in die Kälte entließ.

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Marit Kleinert

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