Maeckes – 13.12.2016 – Köln, Gloria

Losgelöst von den Orsons steht er nun da. Maeckes, bürgerlich Markus Winter, zitronengelber Anzug, hellblaue Wölkchensocken. Doch zum Anfang: Nachdem die Orsons 2015 mit ihrem Album “What’s Goes” den rau gewordenen Rap in Deutschland mit Humor und astrein gebauten Beats von Tua komplett aufgeräumt haben, ist 2016 das Jahr der Solokarrieren für die Jungs aus Baden. Mit “Tilt” von Maeckes und “Servuslichkeiten” von Bartek legen zwei Mitglieder der Rapgruppe 2016 ihre Debüts vor.

Maeckes nahm dies zum Anlass, um sein Album abseits der von ihm gespielten, großartigen Gitarrenkonzerte auf einer Tour live zu präsentieren. Mit ihm reist eine kleine Gruppe, darunter  Äh, Dings, ein Multiinstrumentalist, der auch als Produzent fürs neue Album Tilt wirkte. Tristan Brusch ist ebenfalls von der Partie, der Gitarrist und Sänger fand bereits bei vielen Produktionen der Orsons seinen Platz im Musikergebilde. Ergänzt wird die Reisegruppe durch den Schlagzeuger Wilhelm, der bei allen Songs von Maeckes live für den richtigen Wumms sorgt.

Am 13.12. steuerte besagte und illustre Reisegruppe also das Gloria in Köln an, um das alte Theater an einem paradiesischen Abend in eine Hochburg der Beschwingtheit und des Horchen ins Innerste zu verwandeln. Gute Vorarbeit leistete dabei die Berliner Künstlerin ALAXKA, die lediglich mit einem Keyboard und zwei kleinen Drums bewaffnet das Publikum in ihren eigenen,  lose gewebten, elektronisch dominierten Klangteppich entführte. Wir empfehlen an der Dame dranzubleiben. Bisher lässt sich leider nur ein einziger Song von ihr im Netz finden.

Maeckes selbst betrat im feinsten Zwirn, den er sich mittlerweile zum ureigenen Markenzeichen gemacht hat, die Bühne nach einer kurzen Umbaupause. Das Bühnenbild lehnte sich stark an Cover und Thema des Albums an: Die Farben grün, hellgelb und blau dominierten stark, zwei Wolken hingen von der Decke, ein “Tilt”-Smiley dekorierte den Backdrop. Die Setlist hingegen ließ keine Wünsche offen. Alle vielgehörten Hits des Albums spielten Maeckes und seine kleine Band auf eine Art und Weise, die die Größe des Glorias komplett vergessen machte. Das angenehm warme Gefühl eines Privatkonzerts kam schnell auf und verflüchtigte sich erst lange nach der letzte Zugabe. Für Fans von Maeckes älteren Soloausflügen wie beispielsweise “Unperfekt” mischte der Badener geschickt einige Überraschungen unter die gut gefüllte Setlist. Fast zwei Stunden füllte Maeckes mit guter Laune, nachdenklicher Stimmung, aber auch einer Leichtigkeit, die sich trotz tiefgründiger Texte wie ein ambivalenter roter Faden durch sein Album zieht.

Eine großartige Show eines großartigen Künstlers, der sich stets treu geblieben ist und trotz vieler Auftritte mit den Orsons in der Vergangenheit immer noch eine klare und deutlich eigene musikalische Linie fährt.


Links
Homepage von Maeckes
Facebook

 

Fotocredit: Nico Wöhrle/Pressefreigabe

Christian Greiner

About author

Christian Greiner

Paar-und-zwanzig. Immer irgendwo zwischen Alternative, Indie, Future Bass und Hip Hop unterwegs. Vorzugsweise deutschsprachig. Ich grüße meine Oma!