Blondage – 3.12.16 – Köln, Artheater

Wer die letzten Veröffentlichungen der dänischen Electro-Pop Band Rangleklods kennen und lieben gelernt hat, wird vielleicht zur Sommerwende sehr verwundert darüber gewesen sein, dass sie sich abrupt für einen Imagewechsel entschieden hatten. Pernille Smith-Sivertsen und Esben Andersen wollten im Duo weitaus mehr erreichen und sich einem kompletten Reset unterziehen: Mehr 80’s Attitüde, verspielt-poppige Kompositionen. Von nun an hieß es Schluss mit düster-melancholischen Synthesizern – willkommen in der Welt, der von Zuckerwatte umspielten Vocals, poppigen Oden und einem Hauch warmer Sommerbrise. Mit Blondage erfanden sie sich komplett neu und bedienten sich durchaus kitschigeren Beats und Loop-Varianten.

Am 3.12.2016 konnte man das Duo aus Kopenhagen erstmals mit ihrer selbstbetitelten Debüt-EP im Kölner Artheater auf den Prüfstand stellen. Wie erfolgreich wirkt sich ein solcher Imagewechsel eigentlich auf die bestehende Fanbase aus? Kann man ihnen kommerzielle Anpassung vorwerfen?

Der Abend wurde relativ gediegen durch die Unterstützung der Kölner Electro Pop-Band Waking Up in Stereo eingeleitet, die bereits im letzten Jahr den Support für Rangleklods übernahm. Die kleine, jedoch bescheidene Konzertlocation war fast in komplette Dunkelheit gehüllt, während Neonröhren und Spotlights, die von Nebel umspielt wurden, in regelmäßigen Takten ihre Scheinwerfer auf die Künstler warfen. Die Einstimmung auf den Abend erfolgte mit sehr entspannten Synthie-Pop Tracks, die durch seichten Gesang, ruhige Tempi und unaufgeregte instrumentale Wechsel begleitet wurden. Stimmlich konnte man hier fast Referenzen zu einer entschleunigten Version von Fenech-Soler ziehen, die durch dumpfe, elektronische Rhythmen voranschritt und dominante Synthesizer besaß. 2016 veröffentlichten sie unter Bass Cologne die EP Wuis, die mit einer wunderbar-astronomisch angehauchten Collage als Artwork versehen ist und experimentelle Tracks wie ,,Era Error”, sowie ,,Gallery of Memory” bereithält. Der Abend sollte sich im Tempo definitiv steigern.

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Für den Auftritt von Blondage gegen 21 Uhr wurde wie gewohnt die ganze Bühne mit elektronischem Equipment bestückt und quasi in ein Homestudio verwandelt. Drum Computer mit eingebautem Theremin und Controller, Keyboard, E-Drums, sowie Pernilles heißgeliebte E-Klarinette: Nicht nur wesentlich für den Song ,,Lucky Black Skirt”, der an diesem Abend als erstes den Weg in ihre Setlist gefunden hatte. Die beiden Musiker bewiesen abermals Fingerfertigkeit und Kombinationsvermögen, schufen fließende Übergänge im Wechsel und glänzten nicht zuletzt mit ihrer Bühnenpräsenz, in der sie  ihre lässige, selbstbewusste Ausstrahlung zum Ausdruck brachten. Der Ruf als Multiinstrumentalisten mit hoher Multitaskingfähigkeit sollte ihnen vorauseilen, denn ein Konzert der beiden animiert nicht nur zum Tanzen. Wenn eingängige Pop-Rhythmen untermalt von gepitchten Vocals ertönen, ist man gleichzeitig erstaunt, wie abgesprochen Pernille und Esben einen Instrumentenwechsel innerhalb weniger Sekunden demonstrieren, ohne sich den kleinsten Fehler zu erlauben. Wo ihre älteren Alben Beekeeper (2012) und Straitjacket (2015) mit düster-perkussiven Melodien, tiefen Bassläufen und langsameren Rhythmen mit ,,Clouds”, ,,On Top” oder ,,Lost U” anzusiedeln waren, wirkt Blondage insgesamt verspielter, digitalisierter und leichter.

Vorab gab es sogar eine Premiere zu ihren kommenden Aufnahmen, die zwar nicht mehr ganz so komplizierte Kompositionen besitzen, jedoch Bezug zum clublastigen Nachtleben schaffen. Beschleunigter House überlagert von poppigem Gesang – eine Tendenz höher gepitcht als erwartet und teilweise von tropischen Samples ergänzt, die entfernt an Jamie xx erinnerten. Von Rangleklods blieb hier nicht mehr viel übrig, da Loops, Synthieflächen und poppige Vocals den verruchten Charme entfremdeten. Ihnen ist definitiv ein konsequenter Stilwandel geglückt. Einige Fans werden ihrem alten Image vielleicht hinterhertrauern oder sich fragen, ob sie bewusst in die kommerzielle Schiene gerutscht sind. Motivation ließ sich jedenfalls live mit gewohnter Energie erkennen, die sie besonders bei Tracks wie ,,Pray” und ,,FLF” vorführten. Dennoch steht die Frage im Raum, ob ihre neue Stilrichtung nicht dafür sorgen wird, dass man klar zwischen beiden Abschnitten differenziert. Dies kann langfristig bedeuten, dass sich die aktuelle Fanbase entweder minimiert, erweitert oder einer ganzheitlichen Verschiebung aussetzt, die für ein komplett neues Publikum bestimmt ist.

 

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Denise Schmid

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