Gurr – 24.01.2017 – Münster, Sputnik-Café

Mit zwei besten Freundinnen losziehen wirkt schnell ermüdend und nicht selten schleicht sich das Gefühl ein, das fünfte Rad am Wagen zu sein. Zu viele Insiderwitze, die Rätsel aufwerfen und zu viele Codes, die sich auch durch angestrengtes Nachdenken nicht entschlüsseln lassen. Als Gurr in Münster erst einmal ein paar Minuten auf der podestartigen Bühne des gemütlichen Sputnik Cafés stehen, sind all diese Geheimnisse zwischen den Wahlberlinerinnen zwar auch da, laden aber alle Anwesenden ein, auch eingeweiht zu werden. Deshalb scherzt man direkt gemeinsam über das kaputte Equipment, welches schon seit Anfang der Tour langsam aber sicher zerfällt, nippt an der grünen oder weißen Glasflasche und zappelt fleißig mit den Füßen.

„Ihr hört heute auch ein paar alte Songs und Sachen, die ihr so noch nicht kennt“, Ponyträgerin Andreya Casablanca holt kurz Luft, denn auch sie und Laura Lee sind gerade voll in Bewegung. Das im Oktober vergangenen Jahres erschienene Debütalbum von Gurr ist weniger als eine prall gefüllte halbe Stunde lang, doch schnell ist klar, dass sie sich hier so schnell nicht aus dem Staub machen werden. Und obwohl das Duo mit Livebegleitung dann sogar Stücke von „In my head“ auslässt, fehlt es an nichts. Stattdessen präsentieren Gurr ihre Version von den Beatles’ „I want to hold your hand“ und leiten eigene Songs mit Gwen Stefanis „Hollaback Girl“-Chorus ein – ohne Cheerleader, aber mit Überraschungseffekt.

Das bekannte Debütproblem, bei dem sonst höchstens eine Stunde vor Publikum verbracht werden kann, ist so im Handumdrehen gelöst. Zusammen mit Brookland aus dem Ruhrgebiet füllen Gurr einen ganzen Abend, lassen Journalisten ins Mikro rappen, hauen mehrere Zugaben raus und packen zum Schluss selbst mit an, um Shirts mit Schweinchen drauf und Platten zu verkaufen oder einfach nur zu plauschen. Zwischen der schnell verflogenen Nervosität im Raum, dem Schweiß und dem Biergeruch tut jetzt etwas frische Luft gut. Und in der liegt die Hoffnung auf ein schnelles Wiedersehen mit Gurr.

 

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Lena Zschirpe

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