Trentemøller – 01.02.2017 – Köln, Essigfabrik

Anders Trentemøller gilt wohl als Wegbereiter musikalischer Hymnen, die mit Düsternis und Melancholie asoziiert werden können und sich besonders durch ihre intensiven elektronischen Einflüsse auszeichnen. Rückblickend über die vergangenen Jahre bediente er sich Genreeinflüssen des Dark- und Cold Waves, verband sie mit technoiden bis housigen Basslines und ließ sie zu ätherischen Tracks verlaufen, die einen Trancezustand der besonderen Art herauf beschwörten. Mit seiner aktuellen Platte Fixion schlug sich die hallende Atmosphäre erstmals seit Lost wieder in weichen 80’s Synths nieder.  Die gesangliche Unterstützung der französischsprachigen Savages-Frontsängerin Camille Berthonier demonstrierte sich hier nur als gekonntes i-Tüpfelchen, um die verruchten indiekonformen Gitarrenakkorde von Hall zu ummauern. Es ist keines der typischen Trentemoller-Alben, sondern stützt sich viel mehr auf seine persönliche Affinität zum Wave und Gothic, die in den teils bedrohlichen Stücken an die Oberfläche treten. Bereits am 16. September 2016 erschien sein neuester physischer Ableger, an den sich eine Europatour anschloss.

Vor einem knappen Monat haben wir ihre Show in der Kölner Essigfabrik live und in Farbe verfolgt; wobei die Schattierungen hier eher auf der monochromen Skala variierten und vom redundanten Strobolicht auf der Bühne getaktet waren. Industrieller Charme einer alten Lagerhalle lässt sich vermutlich am besten mit dem Image des Dänen verbinden, da seine Tracks bekanntlich in einer dunklen Venue mit gedimmter Beleuchtung am besten zur Geltung kommen. Die Abendgarderobe der Hörerschaft war ebenso unverkennbar schwarz,  enthüllte jedoch ein Publikum, das überaus euphorisch und energiegeladen schien.

Als Support wurde die Formation um Trentemøller von Tom And His Computer begleitet. Es ist selbstredend, dass er als Einzelperson im Lichtkegel seines Macs für die opulente musikalische Untermalung sorgte und eine Klangkulisse erzeugte, die wohl selten geeigneter als Einstimmung hätte sein können, weshalb er Teil des Labels In Your Room wurde. Thomas Bertelsen aus Kopenhagen handtierte bereits als Teenager mit seinem 4 Track Tape-Rekorder, produzierte Beats, Loops und fusionierte zur Abendstunde zum DJ.

Neben Cold Wave-Samples, steigerten sich seine Tracks in Noise – und Droneausbrüchen und benetzten das Publikum mit sphärischen Texturen, die im Verlauf an Geschwindigkeit zunahmen. Ein Mann, ein Equipment. Vor allem der tiefe Bass schien über seinem Konzept zu thronen und leitete von atmosphärischen Momenten in tanzbare Orgelumbrüche über. Ätherisch und schwelgend wurden Tracks seiner Small Disasters EP (2016) sowie der aktuellen Playing in the Night (2017) verwendet, die zwischen introspektiven und tanzbaren Passagen changierte. Samples der Sängerin Roxy Jules äußerten sich in antreibenden Dark Wave-Sounds und kupferten in allseits bekannten, verzerrten Indie Gitarren-Rhythmen, die entfernt an das Debüt der Raveonettes erinnerten.

Nachdem der Einstieg das Publikum in großer Erwartung zurück ließ, schien das Licht auf der Bühne wie erloschen. Fünf Silhouetten näherten sich langsam dem Publikum, während ein flackerndes, seichtes Strobolicht auf sie gerichtet war. Genau genommen war in den ersten Minuten nicht einmal im Ansatz ihre Besetzung zu erkennen. Wie der Titel ihres Longplayers herrschte ein schmaler Grat zwischen Realität und Fiktion, der durch den raschen Wechsel der Lichter angedeutet wurde. In mitten der Bühne offenbarte sich Camille Berthonier, dumpfe Basssaiten ertönten gezupft und verliefen sich in Hall, während  langsam ,,Never Fade” als erster Track in ihre Setlist fand. Nach dem mysteriösen Einstieg folgten die von New Wave-angehauchten Albumfavoriten ,,River in Me”, ,,Redefine” und ,,My Conviction”, die nochmals einen Exkurs in die 80er verlauten ließen und wechselten sich mit Klassikern der Vergangenheit  wie ,,Still on Fire” ab.

Besonders begeistert wurden Tracks seiner frühen Last Resort -Phase angenommen. Die gute Laune auf der Künstlerbühne nahm auch im Laufe des Konzerts nicht ab und so feuerte Trentemøller einen nostalgischen Kracher nach dem anderen in die Menge. Dies hatte leider auch zur Folge, dass die erzeugte Atmosphäre ihre Wirkung nur zweitweise voll entfalten konnte. Seine emotionale anmutenden, sich langsam rhythmisch steigernden Tracks ,,Moan” und ,,Miss You” verloren deshalb live etwas an Tiefe. Die Besetzung wahrte insgesamt eher ein cooles, unnahbares Image – animierte das Publikum aktiv zum Tanzen und die Menge gab begeistert, fast ekstatisch ihr Feedback zur skandinavischen Größe der elektronischen Melancholie. Nach wie vor sollte man die musikalische Umorientierung zu weichen 80’s-Elementen nicht negativ vermerken, da sich hier eine gekonnte Abwechslung zwischen verschiedenen Einflüssen bemerkbar machte und der Künstler immer wieder eine Überraschung in petto hatte.

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Photo Credits: Pressefreigabe.

Denise Schmid

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