Circa Waves – Different Creatures

Circa Waves sind erwachsen geworden. Ihrer Musik kommt das zugute

Circa Waves sind eine Live-Band, wie sie im Buche steht: Vier adrette junge Engländer mit einer Mischung aus dynamischen Schlagzeug und Gitarrenriffs, bei denen du schon vom Zuhören eine Sehnenscheidenentzündung bekommst. Die Liverpooler sind wie geschaffen für Festivalbühnen – je größer, desto besser.

Nur leider besteht das Leben eines Musikers nicht ausschließlich aus Friede, Freude, Festival. Einen Namen macht sich nur, wer neben ausgezeichneten Shows auch hin und wieder ein anständiges Album abliefert. Daran kommen auch Circa Waves nicht vorbei. Ihr 2015 erschienenes Debütalbum traf bereits zielgerichtet ins Herz der Indie-Rock-Freunde. Songs wie „T-Shirt Weather“ oder Titeltrack „Young Chasers“ waren bezeichnend für das Gefühl, dass einem als junger Mensch außer dem obligatorischen Herzschmerz nichts weiter zustoßen kann. Es war stürmisch, es war laut, aber vor allem hat es Spaß gemacht.

Zwei Jahre später erblickt Different Creatures das Licht der Welt. Nachfolger von guten Debüts leiden ja ständig darunter, dass ein wahnsinniger Druck auf ihnen lastet. Einerseits wollen sich Bands nicht durchgehend selbst kopieren, andererseits soll an den bereits errungenen Erfolg angeknüpft werden. Schwierig, schwierig. Die Frage lautet: Gelang es Circa Waves, ein Album zu schreiben, welches zwar genauso reizvoll ist wie Young Chasers, dabei aber nicht komplett in seinem Schatten verschwindet?

Die Antwort ist schnell gegeben: Ja, tat es. Sänger und Gitarrist Kieran Shudall erschuf eine Platte, die ein völlig neues Licht auf die Band wirft, ohne sie dabei ihrer Erkennungsmerkmale zu berauben.

Bereits der Opener „Wake Up“ begrüßt den Hörer mit den dominanten, rüttelnden Gitarren, für die Circa Waves geschätzt werden. Auch Songs wie „Fire That Burns“ oder „Good Bye“ zeigen sich warm und dynamisch, aber nicht ruppig. „Old Friends“ hingegen ist weitaus zurückgelehnter und erinnert an Stücke wie „Deserve This“. Zeitweise werden die von der Band gewohnten From jedoch auch komplett aufgebrochen: In „Out On My Own“ machen sie überraschend Platz für Geigen, „Love’s Run Out“ ist eine reine Akustikgitarrennummer.

Apropos Überraschungen: Nicht nur Circa Waves’ Sound hat sich verändert, sondern auch ihre Inhalte. Zwar wirkten sie auch in der Vergangenheit nicht dümmlich, konzentrierten sich bisher jedoch auf folgende zwei Themengebiete: Jugend und Liebe(skummer). Nun singt Shudall plötzlich über die Depressionen und Angststörungen von Männern („Out On My Own“). Klar, die Liebe ist immer noch ein Thema, aber auf einmal knallen dem unbedarften Hörer Themen um die Ohren, die viel größer sind als Nostalgie und Mädchen. Der Titelsong etwa spielt kritisch auf die Flüchtlingsituation und unseren Umgang damit an.  So heißt es in „Different Creatures“: „Twenty thousand souls are sold tonight // Making us their home // And as you close your eyes again tonight //Remember where you are“.

Dass Circa Waves Spaß machen bewiesen sie bereits mit ihrem Debüt. Mit Different Creatures wachsen sie jedoch über sich hinaus: Sie sind kritischer, erwachsener und selbstbewusster. Das Album ist ernsthaft, aber nicht untragbar schwermütig. Die Songs versprechen ein großes Live-Potential, was die Vorfreude auf die kommende Tour wachsen lässt.

Circa Waves beweisen, wie eine Band wachsen und sich verändern kann, ohne sich und ihren Stil dabei komplett zu verlieren. Fans dürften an Different Creatures nichts auszusetzen haben. Kieran Shudall hat bereits angekündigt, dass er zu den Besten und Größten gehören will. Seinen ambitionierten Zielen lässt er vielversprechende Taten folgen.

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Ariane Seidl

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Ariane Seidl

Irgendwer zwischen Milhouse und Zoidberg. Körperklaus aus Leidenschaft, Hai-Fangirl aus Überzeugung.

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