Robyn – 05.04.2019 – Köln, Palladium

Robyns unverwechselbare Elektro-Pop-Songs wie „Dancing On My Own“ oder „Hang With Me“ haben zwar auch Einzug in die Radiogeräte gehalten, aber vor allem in Clubs und auf Partys Kultstatus erlangt. Nun ist sie zurück – mit einem neuen Album und einer höchst sehenswerten Konzerttour.

Die Gäste warten lang, aber geduldig auf Robyn im Kölner Palladium. Das Publikum ist bunt gemischt, ihm ist anzusehen, dass die letzte LP Body Talk – vor der jüngst erschienenen Platte Honey – vor mittlerweile neun Jahren veröffentlicht wurde. Als Robyn in einem kurzen, weiß-silbernen Negligé die Bühne betritt, fällt dem Publikum ein Stein vom Herzen. Sie kommt doch noch! Die ersten Lieder bleibt Robyn noch statisch mit ihrer um sie herum ebenfalls ganz in Weiß platzierten Band auf der Bühne stehen. Das Publikum ist sofort in den Bann des ultracharismatischen Pop-Stars gezogen.

„Ich habe viel getanzt während der Arbeit an Honey.“

„Ich habe viel getanzt während der Arbeit an diesem Album“ sagt Robyn über Honey, die sich schon vor 15 Jahren aus einem Major-Label-Vertrag herauskaufte und kurzerhand ihr eigenes, elektronisch orientiertes Label „Konichiwa Records“ gründete. Deswegen verwundert es auch kaum, dass während des Konzerts ein langes Techno-Instrumental und der legendäre House-Hit „French Kiss“ von Lil‘ Louis aus dem Jahr 1989 gespielt werden, dessen unverkennbare Melodie auch als Sample in den Song „Send to Robyn Immediately“ eingearbeitet ist. Schon als zweiter Song erklingt „Honey“, der Titeltrack des Albums und eine Hommage an dieses süße, viskose Elixier, dem schon seit Zeiten des antiken ägyptischen Königreichs eine magische Wirkung zugesprochen wurde. Und das einen in seiner psychedelischen Variante aus Peru auf die wildesten Trips bringt, verrät Robyn.

Im Video zu „Honey“ steht die Sinnlichkeit und der Trip des kollektiven Tanzens im Fokus.

Auch ihre letzten beiden Alben, vor allem Body Talk, trugen diese psychedelische, technoorientierte Komponente in sich – ihre fruchtbare und mehrfache Zusammenarbeit mit dem House-Produzenten-Duo Röyksopp zeugen davon. Doch waren diese noch stärker geprägt vom Weltschmerz einer fragilen, jungen Frau, die in Liedern wie „Indestructible“, „Be Mine!“ oder „Call Your Girlfriend“ eine teils naive und archetypische Liebe besingt. Honey hat immer noch den Robyn-Faktor – Ohrwurm-Melodien gepaart mit Synths und elektronischem Schlagzeug –, aber ist um einiges sinnlicher als die Vorgänger; Robyn ist sinnlicher, und das zeigt sie auch bei der Show. Nach einiger Zeit tritt ein Tänzer auf die Bühne, zuerst tanzt er allein, dann steigt Robyn in das ekstatische und ästhetische Schauspiel ein.

Der Opener ihres neuen Albums „Missing U“, der an Robyns alten Sound anschließt, ist ihrem verstorbenen Freund und musikalischen Mitstreiter Christian Falk, aber auch ihren Fans gewidmet.

Trotzdem verliert ihr Auftritt durch diese künstlerische Performance nicht die Nähe und den Witz, für den sie so bekannt ist. Zwei Mal rutscht ihr der Mikrofonständer unter der Hand weg, sie hechtet zum Mikro, und bekommt noch den Einsatz. Generell ist sie stimmlich und körperlich in Höchstform: Sie kokettiert und agiert auf liebevolle Weise mit dem Publikum, beim Refrain ihres wohl bekanntesten Songs „Dancing On My Own“ bleibt das Licht stehen, die Band hört auf zu spielen, und die Menge singt voller Inbrunst und Herzschmerz den vollen Refrain a capella: „I’m in the corner, watching you kiss her, ow ow ow!“ Kein neuer Trick, aber ein Moment, der, wie das ganze Konzert, unter die Haut geht.

Webpage Robyn

Henrik Willun

About author

Henrik Willun