Interview: Christopher Schwarzwälder

Am 23. August dieses Jahres haben Christopher Schwarzwälder und Iannis Ritter ihr zweites Album und
physisches Debüt Out The Window veröffentlicht; und wir haben mit Chris über die Entstehung des Longplayers, seine besondere Beziehung zum Hip Hop und die Zusammenarbeit mit Iannis Ritter gesprochen.

Chris, 2016 haben Iannis Ritter und du das Album Ritterwald veröffentlicht, eine elf Tracks starke Kollaboration, die wie eine Bombe eingeschlagen ist. Iannis’ Namen hatte ich zumindest noch nie vorher gehört. Wie kam es zu dieser äußerst fruchtbaren Verbindung?

Recht unspektakulär. Iannis und ich sind beide Köche und haben uns vor knapp zehn Jahren durchs Kochen kennengelernt. Wir haben uns von Anfang an gut verstanden und den ein oder anderen Abend miteinander verbracht. Dabei kam dann irgendwann die Musik mit ins Spiel.

Du kannst auf einen erfolgreichen Sommer und generell viele Bookings blicken. Ist Out The Window immer wieder dazwischen entstanden oder habt ihr euch einmal richtig viel Zeit genommen, um zu produzieren und ins Studio zu gehen? Ich habe gehört, Teile des Albums wurden auch in Garbicz aufgenommen.

Tatsächlich waren wir für eine Weile in Polen, um Teile des Albums aufzunehmen. Meist arbeiten wir aber eher in Einzeldates, also nachmittags treffen wir uns und arbeiten bis nachts oder morgens soweit, wie man kommt. Das passiert dann meist in meinem Studio. Danach setze ich mich noch mal an die Tracks und mache sie fertig. Bei dem Album zum Beispiel waren es etwas über 30 Skizzen, von denen ich 14 quasi fertig gemacht habe. Daraus haben wir dann acht Tracks fürs Album ausgewählt.

Eure Tracks kennzeichnen sich häufig durch ironische beziehungsweise witzige, aber auch ernste Texte und relativ langsame, deepe Beats. Wie läuft eure Zusammenarbeit ab, und gibt es eine feste Arbeitsteilung?

Wir haben nicht wirklich einen festen Ablauf beim Produzieren. Mal kommt Iannis mit verschiedensten Ideen an, welche Sounds man wovon aufnehmen könnte. Das können Alltagsgeräte wie ein Schneebesen oder Essen jeglicher Art, zum Beispiel gefrorene Saubohnen, sein. Er spielt aber auch Akustikbass und hier und da ein wenig Gitarre ein und offensichtlich macht er alle Vocals inklusive der Texte. Ein anderes Mal fange ich an, indem ich etwas auf einem Synth, einer Gitarre oder dem Rhodes spiele und aufnehme und er dann eine Weile auf dem Sofa sitzt und einen Text drüber schreibt. Irgendwann meldet er sich dann und ist ready zum Aufnehmen. Alles offen bei uns. Wichtig ist, sich wohl zu fühlen und eine gute Umgebung zu haben. Das macht schon die halbe Miete.

Also arbeitet ihr auf Out The Window auch mit Samples?

Du wirst sicher das ein oder andere Sample auf der Platte finden. Ein paar habe ich verbaut. Quasi nur im Drum-Bereich zum Layern. Die Synthparts, Gitarren, Bässe und Vocals wurden alle selber von Iannis oder mir eingespielt und aufgenommen. Die Vocals sample ich oft noch mal und baue sie in die Beats mit ein. Das klebt alles schön zusammen. Alles in allem viel Handarbeit. Und sauviele Spuren pro Track. Ich glaube, „Colder“ hat am Ende 94 Einzelspuren gehabt.

Das Album ist, im Vergleich zu Ritterwald, noch einmal um einiges langsamer und weniger tanzbar. War das eine bewusste Entscheidung?

Insofern ja, als wir, nachdem ich die 14 Tracks fertig gemacht hatte, uns dafür entschieden haben, die schnelleren Tracks separat auf einer EP zu releasen. Das Album sollte mehr zum Durchhören sein, ohne Clubtracks zwischendurch.

Man hört einen deutlichen Hip-Hop-Einfluss in einigen Tracks wie Scratching-Sounds, Rap und Breakbeats. Welche Beziehung habt ihr zum Hip Hop und der Hip-Hop-Kultur?

Wir kommen beide vom Hip Hop und mögen ihn auch nach wie vor noch. Alle paar Monate werden bei mir noch die Dirtstyle-Platten ausgepackt und eine Runde gescratcht. Ich habe ’99 meine ersten 1200er gekauft und schon vorher die ersten Platten gesammelt. Auch wenn ich mich persönlich nicht mehr wirklich mit dem neuen Zeug, was heute so rauskommt, identifizieren kann, arbeite ich selbst gerne noch mit den Elementen oder dem Tempo vom Hip Hop.

Du hast viele Projekte am Laufen: Neben deinem Solo-Projekt natürlich mit Mira, aber auch Feathered Sun. Wie hältst du die verschiedenen Kollaborationen auseinander, oder ist das gar nicht nötig? Bei Live-Auftritten von Feathered Sun zum Beispiel wird ja auch über Solo-Tracks von dir gesungen.

Da unterscheide ich auf jeden Fall zwischen allen dreien, auch wenn es hier und da Überschneidungen gibt. Produziert wird logischerweise immer mit den jeweiligen Personen, sei es jetzt Mira, Iannis oder die FeatheredSun-Crew, die im Groben aus Raz, Jo.ke, Nu, Acid Pauli, Iannis, Johannes, Billy und Rico Loop besteht. Dann ergibt sich oft schon durchs Tempo der Songs eine gewisse Aufteilung, wo sie landen, soll heißen, ich spiele auch mal einen clubtauglichen FeatheredSun-Track im Solo-Set genauso wie einen eher langsamen „Schwarzwälder-Solo-Track“ in einem FeatheredSun-Set.

Erzähl doch bitte noch kurz etwas über Feathered Sun, was ist das Konzept und wer ist Teil des Ganzen?

Feathered Sun ist eine Art offenes Kollektiv. Zur Zeit sind, in wechselnden Kombinationen, Jo.ke, Raz Ohara, Billy Mendrix, Rico Loop, Acid Pauli, Iannis, Johannes und ich mit dabei. Alles in allem sind wir eine Crew, die seit ewigen Zeiten befreundet ist und zusammen Musik macht. Wir haben immer wieder weitere Gastmusiker an Bord. In der Regel gilt: Wenn drei von uns an einem Song gearbeitet haben, wird der Song zu einem FeatheredSun-Song. Das erkennt man aber meist auch schon am Sound. Wir schicken auch immer wieder Skizzen oder Spuren hin und her und arbeiten so über die Entfernung zusammen. Alles nicht ganz einfach bei so vielen Leuten, die alle etwas zu tun haben in ihrem Leben.

Gibt es Ambitionen, Chris Schwarzwälder & Iannis Ritter als Live-Projekt auf die Bühne zu bringen?

Es gab mal Gedanken daran. Zur Zeit ist das aber nicht aktuell. Mal sehen, was die Zukunft noch so bringt. Iannis und ich werden wohl noch eine ganze Weile zusammenarbeiten, man soll also niemals nie sagen.

Der Sommer ist langsam vorbei – bedeutet das für dich Studiozeit, vielleicht mal wieder ein neuer Mix, oder die Flucht in wärmere Gefilde in Form von Touren?

Dass der Sommer vorbei ist, heißt für mich dieses Mal auf jeden Fall Studiozeit. Ich bin noch bis Ende Oktober gut unterwegs und versuche dann, ein wenig ruhiger zu machen bis zum Frühjahr. Das heißt in erster Linie weniger bis keine Langstrecke fliegen und viel Zeit im Studio verbringen. Winter bietet sich da einfach prima an. Und ein neuer Mix ist seit ein paar Tagen online:

Wir danken Chris und Audiolith herzlich für das Interview. Zu Chris’ Soundcloud kommt ihr hier und zu Iannis’ hier. Das Album ist auf audiolith.net erhältlich, und wir haben es auch besprochen.
Titelfoto: Ruben Stallmann (Chris links, Iannis rechts)

Henrik Willun

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