COMA – 05.12.2019 – Köln, Bumann & Sohn

Schon beim Support-Act Graham Van Pelt kann man erahnen, was einen wenig später bei der Live-Show von COMA erwarten wird: Das Publikum wärmt sich ausgelassen zu den elektronischen Pop-Melodien des Kanadiers auf, das kleine und gemütliche Bumann & Sohn füllt sich schnell. Nach einer kurzen Pause eröffnen COMA mit „Snurrebassen“, dem Opener ihres neuen Albums, ein dichter Track mit einer tiefen und progressiven Bassline und verzerrten Vocals.

Dieses dritte Album Voyage Voyage ist in vielerlei Hinsicht eine Neuerung. Zum einen haben sich Georg Conrad und Marius Bubat von ihrem Entdecker- und Langzeitlabel Kompakt getrennt, unter deren Schirmherrschaft etliche Veröffentlichungen, EPs und immerhin zwei Alben entstanden sind. Zum anderen ist – vielleicht auch durch den Wechsel zum Independent-Label City Slang – eine Neuerung im Sound zu hören. Die Melodien sind etwas poppiger, es wird viel mit Stimmmanipulation gearbeitet, dennoch trägt die LP klar den COMA-Stempel mit ungewöhnlichen Harmonien und diesem speziellen elektronisch-urbanen Melancholiemoment.

Auch für die Live-Shows haben sie sich etwas Neues einfallen lassen: Ab sofort werden COMA von einem Schlagzeuger unterstützt, der die perkussiven Elemente und den Dance-Charakter ihrer Musik noch einmal mehr hervorhebt. Die neuen Stücke mischen sich live gut mit den Evergreens wie „My Orbit“ oder „Lora“ der vergangenen Alben In Technicolor und This Side Of Paradise, nicht nur im Publikum sind die Augen häufig geschlossen. Begleitet wird das Spektakel von psychedelischen Visuals, die auf die Bühne projiziert werden. DIY ist es noch immer: Einmal fällt das Mikrophon fast um und kann in letzter Sekunde noch aufgefangen werden, als der Projektor, der mit einem Band provisorisch an der Decke befestigt ist, kurz ausfällt, wird sich mit der guten alten Räuberleiter ausgeholfen, nachdem kurz das Beamer-Setup auf den Körpern der Musiker zu sehen ist.

Der Vibe, den COMA schon seit ihren Anfängen auf der legendären Kompakt-Party Total Confusion 2007 auf die Bühne bringen und mit dem sie auch international erfolgreich sind, ist auch durch solche Momente ungebrochen. Die Jungs tauschen virtuos die Plätze, E-Gitarren und Synthesizer, singen mal extrovertiert und mal in sich gekehrt, als würde sie gerade niemand beobachten, und das Publikum dankt es ihnen dementsprechend. Nach knapp anderthalb Stunden und zwei Zugaben ist der Spaß vorbei. Das Bumann & Sohn leert sich langsam, die Leute bleiben noch auf ein Kölsch und genießen die Ausklänge dieser besonderen Atmosphäre, die die beiden Ausnahmemusiker hinterlassen haben.

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Foto: Frederike Wetzels

Henrik Willun

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