Bombay Bicycle Club – Everything Else Has Gone Wrong

Bombay Bicycle Club feiern ihr Indie-Comeback und begeben sich zu den Wurzeln der 2010er zurück.

Als die Briten um Jack Steadman 2016 eine Auszeit ankündigten, waren einige Fans entrüstet und viele fragten sich, ob da ein weiterer herber Verlust der Indie-Highlights der 2000er und 2010er droht. Die Bandmitglieder widmeten sich in dieser Abstinenz ihren Soloprojekten, Sänger Jack Steadman veröffentlichte als Mr. Jukes sein Debüt und Bassist Ed Nash überzeugte als Toothless mit seinen Solo-Künsten. Nash wurde bei seinem Projekt vom Schlagzeuger der Hauptband Suren de Saram unterstützt. Im Interview mit Kulturnews erzählte Steadman sogar, wie sie ihr komplettes Equipment verkauft haben, um die Köpfe komplett von ihrem bisherigen Schaffen frei zu bekommen.

Mittlerweile haben sie sich zum Glück wieder gefunden, neue Instrumente gekauft und an einem neuen Album gearbeitet. Dass die Band aus London wenig Lust auf Konventionelles hat, zeigten sie schon mit dem Vorgängeralbum So Long, See You Tomorrow im Jahr 2014. Ein Album, das vor Einflüssen aus faszinierenden Musikrichtungen (z.B. Balkan-Folk in “Feel”) nur so strotzte.

Fast genau sechs Jahre später erscheint mit Everything Else Has Gone Wrong das vierte Album des experimentierfreudigen Quartetts. Im Vorfeld des Album-Releases erschienen gleich 5 Singles, die Band konnte es also wohl kaum erwarten ihr neues Material zu präsentieren. Doch das Album beginnt glücklicherweise mit dem noch unbekannten Song “Get Up” , ein jazzartiges entspanntes Intro mit minimalistischem Gesang von Jack. Der Song läutet die fröhliche Stimmung ein, welche das Album insgesamt inne hat.

Die Frage ob das, was gerade so in der Welt passiert wirklich real ist, wird in “Is It Real” musikalisch fröhlich/enthusiastisch beantwortet. Während Jack sich mit Anfang 30 gerade fragt, ob man nicht doch in die Zeit zurückgehen soll, lässt sich zur Musik in den noch übrig gebliebenen Indie-Klubs Deutschlands dazu abtänzeln. Der Titeltrack ist mit seiner musikalischen Ausgefeiltheit und der Dramagurtie, die sich zwischen dem Gesang von Jack und der Instrumente abspielt, am bewegendsten.

Weitere Highlights der erheiternden Platte sind das harmonische Feature mit der englischen Songwriterin Liz Lawrence “People People” und die liebevolle Indie-Pop-Nummer “Do You Feel Loved”. Wer hier 40 Minuten eifrig zugehört hat, will zumindest direkt in einen frühlingshaften Januar-Tag starten, trotz der Dunkelheit, die uns in dieser Jahreszeit noch früh am Morgen umgibt.

Im Mittelteil des Albums wird aber klar, dass die Band mit dieser Platte nicht den großen Wurf – ähnlich wie beim Vorgänger – geplant hat. Es lässt die gewagten Experimente etwas missen, was nicht schlimm ist. Bombay Bicycle Club liefern eine unterhaltsame und in großen Teilen starke Platte, was nach einer so langen Rückkehr/Auszeit? und einer nicht von der Hand zu weisenden Ausgelaugtheit der Band umso beindruckender ist. Der Anschluss zu Szenengrößen wie Alt-J fehlt dadurch dennoch.

Mit ihrer neuen Platte sind Bombay Bicycle Club auf Deutschland-Tour:
15.3.2020 – Backstage Werk, München
18.3.2020 – Huxleys Neue Welt, Berlin
24.3.2020 – Live Music Hall, Köln
25.3.2020 – Docks & Prinzenbar, Hamburg

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Daniel Guggeis

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