Albumcover Ben Böhmer Breathing

Ben Böhmer – Breathing

Das Wunderkind aus Göttingen hat seine erste LP Breathing herausgebracht, die voller Optimismus und lebensbejahender Musik steckt und den einen oder anderen bekannten Gast zu Wort kommen lässt.

Sechs Jahre ist es her, da erscheinen die ersten Sets, Podcasts und Remixe von Ben Böhmer, kurze Zeit später die ersten Tracks und 2014 dann die erste EP Promise You über das kleine Berliner Label Ton Töpferei, mit dem er schon länger anbändelt. Von Anfang an ist er überaus produktiv, veröffentlicht weiter und spielt viele Gigs, seine Produktionen erreichen eine immer größere Zuhörerschaft und sein Sound – man wird ihn einige Zeit später als den Böhmer-Sound beschreiben – profiliert sich.

Tatsächlich hat dieser Ausnahmekünstler, der in seiner Jugend Klavier- und Trompete spielte, es geschafft, sich eine besondere musikalische Grundstimmung zu eigen zu machen: Trancige Synths, deepe Basslines und tanzbare Beats werden virtuos zu dichten Tracks gemischt, die unkontrollierbare Positivität ausstrahlen und häufig dennoch melancholische Momente aufblitzen lassen. Kein Wunder also, dass 2018 eines der renommiertesten Deep-House-Labels der Welt, Anjunadeep auf ihn aufmerksam wird, ihn mit Releases und Podcasts entlohnt und ihn unter seine Fittiche nimmt.

Diese fruchtbare Zusammenarbeit beeinflusst, gemeinsam mit dem Verarbeiten des Verlustes eines nahen Verwandten, nicht zuletzt seinen eigenen Sound. Dazu gehört nun unlängst auch ein elf Nummern zählendes Album, das auf den Namen Breathing hört. Es perfektioniert die Ästhetik, die Ben Böhmer in den letzten Jahren in seinem Werk herausgearbeitet hat und ist zweigegliedert: Der erste Part besteht aus rein instrumentalen Tracks. Für die zweite Hälfte hat sich Böhmer eine Menge an Gastkünstler*innen ins Boot geholt, die geneigte Fans schon von früheren Kollaborationen kennen und das Album um einiges vocallastiger machen.

So etwa den Electronica-Singer-Songwriter Monolink, dessen Track „Father Ocean“ Ben Böhmer 2019 gekonnt remixte, oder aber Wood, der ebenfalls auf Ton Töpferei debütierte und schon einige Male mit Böhmer zusammenarbeitete. Aber auch aufstrebende Künstler*innen wie Jan Blomqvist, Jonah oder Malou geben sich die Ehre und steuern Gesang bei, der den Tracks einen Touch von Song gibt und das Album um Indie- und Pop-Facetten erweitert. Dabei erfindet sich Böhmer nicht unbedingt neu. Das muss er aber auch nicht, denn beim Hören des Albums bekommt man ziemlich genau das, was man erwartet. Dennoch: Ein paar mehr epische Momente hätte das Album zuungunsten der eingängigen Popvocals durchaus vertragen.

Breathing erschien am 22. November 2019 via Anjunadeep auf Vinyl, CD und digital. Wir freuen uns schon auf Ben Böhmers ausgedehnte Tour, unter anderem in Köln im Gewölbe (16. April), in München im Harry Klein (24. April), in Kassel im Kleinen Onkel (2. Mai), in Rostock in Helgas Stadtpalast (9. Mai), in Hamburg im Übel & Gefährlich (15. Mai) sowie zu guter Letzt in Berlin im Säälchen (16. Mai).

Soundcloud von Ben Böhmer

Henrik Willun

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