Das Albumcover zeigt Douglas Greed mit einer blauen Maske

Douglas Greed – Angst

Verzweiflung, Einsamkeit, Leere, aber auch Heilung, Mut und Kreativität: Douglas Greed befasst sich auf seinem neuen Longplayer Angst ganz introspektiv mit (s)einem ambivalenten Leben als Produzent und DJ sowie den damit einhergehenden Gefühlen und Sinneserfahrungen, und bringt damit ein Album heraus, das aktueller nicht sein könnte.

Wir alle kennen es, die wenigsten sprechen darüber: Phasen, in denen es uns einfach nicht gut geht, aufgrund innerer oder äußerer Zustände, Phasen, in denen es schwierig ist, sich auszudrücken oder mit Menschen in Verbindung zu treten. Douglas Greed spricht darüber, durch die Musik: Nach vier Jahren Arbeit erscheint sein drittes Album Angst. Schon das Cover lässt viel Interpretationsspielraum. Mario Willms‘, so Greed bürgerlich, Gesicht ist in zwei Lagen auf schwarzen Untergrund gedruckt. Die Dynamik, die durch den Overlay entsteht, lässt nicht erkennen, ob er sich von der blauen Gesichtsmaske, die er trägt, befreit oder ob er sie anlegt.

„Die Ängstlichen leben im Frühjahr 2020 und sind Musiker“ – Douglas Greed

Natürlich ist das Album vor Coronazeiten entstanden und konzipiert worden. Dennoch scheint es mit dem Coverbild sowie mit Titeln wie „Everybody Wants To Live In A Mansion“, „The Future Will Repeat Itself“ oder „Not Afraid“ die jetzige Situation treffend einzufangen und auf gewisse Art und Weise vorausgesehen zu haben. Doch auch wenn der Titel der Platte etwas anderes suggeriert, kommt hier definitiv auch die Kehrseite der Medaille, nämlich das Besiegen der Angst, zum Ausdruck. Mit Joy Wellboy und Odd Beholder hat Douglas Greed sich für knapp die Hälfte der Tracks zusammengetan und viele Facetten jenes Gefühls zu Wort kommen lassen.

Viele Vocals, starke Beats

In gewohnter Greed-Manier besteht das Gerüst der zehn Stücke vornehmlich aus starken four-to-the-floor-Beats mit deepen Basslines und vielschichtigen Drum- und Soundpatterns, die irgendwo zwischen Song und Track rangieren, mit vielen Vocals und einer – für elektronische Musik – kurzen Dauer. Mit distinktiven Stimmfarben gibt Joy Wellboy in „Not Afraid“ und „Roll With The Punches“ die nötige Portion Soul, Pop und Optimismus hinzu, Odd Beholder in „The Few“ und „Numbers“ vor allem einen Indie-/Singer-Songwriter-Touch. Dadurch schafft Greed es, Hybride zu kreieren, die sowohl Dancefloorpotential entfalten als auch der heimischen Stereoanlage gut stehen. Den Beats gleichwohl etwas mehr Raum zu lassen, würde dem ein oder anderen Track nicht schaden.

Dennoch überzeugt die LP durch Vielseitigkeit, zum Beispiel durch das schaurige Interludium „The Future Will Repeat Itself“ oder die starken und für Abwechslung sorgenden Spoken-Word-Passagen in „I Fight For You“ und „Wie man unsterbliche Tiere züchtet“ – Letzterer ist neben dem Zwischenspiel der einzige Track, der wohl nicht floortauglich ist. Die restlichen Titel beeindrucken durch viel Groove und einen gewissen Ohrwurmfaktor. Ganz große Klasse: die von Christian Kohlhaas eingespielte Posaune in „The Taste Of Dust“, „I Fight For You“ und „Random Groove“, die melancholische akustische Akzente setzt. Ein zeitloses Album, ein Album für diese Zeit.

Angst von Douglas Greed erschien am 24. April via 3000 Grad.

Henrik Willun

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